BARBARA SCHÖNEBERGER BESINGT AUF IHRER NEUEN CD, WIE FRAU DAS LEBEN VOLL AUSSCHÖPFEN KANN

Niemals Schluss mit lustig

von Katja Kraft. Und warum wird diese blonde Wucht Jahr für Jahr zur beliebtesten Moderatorin Deutschlands gewählt?

Warum ist man sie auch nach der 35 837. Preisverleihung, bei der sie über die Bühne wirbelt, nicht leid? Weil sich auf Barbara Schönebergers immer frische Art weibliche und männliche Zuschauer gleichermaßen einigen können. Loses Mundwerk, das jede Stammtisch-Derbheit lässig pariert; voller Selbstbewusstsein steht sie zu ihren weiblichen Rundungen, ist sexy, ohne sich abstrusen Magermodel-Idealen zu beugen. Kein Wunder, dass Gruner + Jahr ihr seit drei Jahren eine eigene Frauenzeitschrift – Untertitel: „für Frauen, die keine Frauenzeitschriften lesen“ – widmet. Wenn eine weiß, wie Frau das Leben voll ausschöpfen kann, dann sie. Und gibt auf ihrem mittlerweile vierten Album gewohnt charmant Auskunft darüber.

Sind es auch Geschichten von ihren Geschlechtsgenossinnen, die sie hier erzählt, werden doch auch die Herren viel schmunzeln müssen. Spätestens bei den Live-Auftritten, die die 44-Jährige auf ihrer Tour im nächsten Jahr am 13. März nach München führen. Typisch Schöneberger eben. Wenn sie im ersten Song einen auf „Happy Patchwork Family“ macht – um dann herauszurufen, was doch in Wahrheit jede Frau denkt, deren Ex plötzlich energiegeladen und unternehmungslustig wie lange nicht ist, ausgelöst durch seine erst 23-jährige wunderschöne neue Freundin: „Ich freu’ mich, freu’ mich, freu’ mich – aber nicht für diese blöde Bitch.“ Das ist überhaupt die Stärke der zwölf neuen Titel, die vom Rosenstolz-Kreativ-Team Peter Plate und Ulf Leo Sommer produziert wurden: Voll sind sie von Selbstironie und unerwarteten Twists.

Bei vier Texten hat die Blondine erstmals selbst mitgeschrieben. Zum Beispiel bei einem der besten Titel; wenn sie in „Isabelle Huppert“ davon träumt, ein bisschen mehr französische Eleganz und weniger Dolly Parton zu sein, und dann den Namen der Grande Dame des Kinos ins Mikro haucht, ist da wieder diese unterschwellige Schöneberger-Botschaft: Träum’ nicht davon, wie eine andere zu sein, trau dich einfach zu tun, wonach dir ist. Und wenn das bedeutet, immer als Erste am Buffet zu stehen, viel zu laut zu lachen und – so gar nicht français – den Mund stets zu voll zu nehmen.

All das tut sie mit Freuden. Um sich dann – aber hallo! – einfach einmal selbst alles Gute zu erbitten, Konfetti und Champagnerflaschen, Liebe und all die anderen Freuden, die man sonst so freigiebig anderen wünscht. Einfach mal selbst nach dem Glück greifen – noch so eine Motivationskurs-Parole, die im Klatschblatt abgedroschen wirkt. Wenn’s die Schöneberger singt, aber plötzlich gar nicht mehr.

Nur ein Song, „Hajo und Luise“, erinnert dann doch ein bisschen zu sehr an eine aufgewärmte Version von Purs „Wenn sie diesen Tango hört“ gemischt mit Max Giesingers „Wenn sie tanzt“. Das kann die Entertainerin besser. Herrlich bitterböse in „Der blonde Engel“ (der eigentlich ein gefährlicher Bengel ist), gewitzt in „Du willst es doch auch“. Und, zum passenden Schluss – ein Plädoyer fürs Niemals- Schluss-Machen. Lieber Fortsetzung folgt statt Party verlassen. Denn: „Vielleicht wird’s ja schöner.“ Mit ihrer Einstellung zum Leben ganz bestimmt.

Barbara Schöneberger:

„Eine Frau gibt Auskunft“

(Sony).

Am 13. März 2019 singt Barbara Schöneberger um 20 Uhr in der Kleinen Olympiahalle München; Karten: 089/ 54 81 81 81.

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