Nichts außer der Musik

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konzertkritik . von anita svach.

Angesichts der momentanen Diskussion um Valery Gergiev, der zur Saison 2015/16 Chefdirigent der Münchner Philharmoniker wird, hätte man sich etwas mehr erwartet: Nicht mal halb voll war die Philharmonie, in der am Donnerstag das erste von zwei Gastspielen des russischen Dirigenten mit dem Orchester des Mariinsky Theaters St. Petersburg stattfand. Auf den ersten Blick wirkte Gergiev arrogant, doch nach den ersten Takten war das wie weggeblasen: Nichts außer der Musik zählte mehr.

Mit höchster Aufmerksamkeit führte Gergiev durch das reine Strawinsky-Programm: Die kriegerische Marschmusik und ganz friedlichen Balladen der „Symphonie in 3 Sätzen“ gelangen gleichermaßen spannend und so zugänglich wie man sie nur selten hört.

Das „Capriccio für Klavier und Orchester“ fand in Denis Matsuev den perfekten Interpreten. In halsbrecherischem Tempo und trotzdem mit höchster Präzision sprintete der russische Pianist durch das Werk: Expressionistische Klänge standen wie selbstverständlich neben jazzigen Rhythmen, virtuosen Läufen, hämmernden Staccati. Matsuev meisterte Strawinksy souverän, ohne Anstrengung. Dass es auch romantisch und verhalten geht, zeigten die beiden Rachmaninow-Zugaben, das halsbrecherische Tempo behielt Matsuev aber sicherheitshalber bei.

Gergiev weiß musikalisch ganz genau was er will, und das musste er nicht mit großen Gesten zeigen: kleine, schlichte Handbewegungen, manchmal ein zittriges Wedeln genügten dem russischen Dirigenten. In „Petruschka“ schichteten sich meisterhaft Volksweisen und Leierkastenmusik übereinander, dabei war jedes einzelne Element in der komplexen Partitur deutlich hörbar. Nach der Zugabe, Verdis Ouvertüre zu „La forza del destino“, gab es kein Halten mehr: Standing Ovations für ein grandioses Konzert.

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