Nicht nur was für italienische Patrioten

Ausklang einer bewegten Saison mit Verdis konzertantem „Nabucco“ im Großen Festspielhaus von Tobias hell

Die ersten euphorischen Bravorufe schallen bereits nach der mitreißenden Ouvertüre durch den Saal. Und das keineswegs nur, weil an diesem Abend ein erheblicher Prozentsatz an Italienern im Auditorium des Großen Festspielhauses zu finden ist und kaum eine andere Oper so viele patriotische Gefühle freizusetzen vermag wie „Nabucco“.

Nachdem zu Beginn der Salzburger Festspiele Giuseppe Verdis Altersmeisterwerk „Falstaff“ zu erleben war, folgte zum Ausklang jetzt noch in konzertanter Form eben jenes Werk, das 1842 für den damals 30-jährigen Komponisten den Durchbruch markiert hatte. Am Pult des Orchesters der Oper Rom stand dabei mit Riccardo Muti ein Mann, der in Sachen Verdi mit Recht als Autorität gelten darf und es bei den großen Chor-Tableaus ordentlich kesseln lässt. Manchmal etwas zu Ungunsten der Balance. Wenn es dann aber zwischenmenschlich zur Sache geht, findet der Maestro immer wieder auch ruhige, intime Momente, um das Innenleben der Figuren auszuloten.

Dies kommt vor allem Anna Pirozzi entgegen, die als Abigaile überaus kurzfristig eingesprungen war und nun unerwartet zu ihrem heftig akklamierten Salzburg-Debüt kam. Sie meistert die vokalen Achterbahnfahrten dieser fordernden Partie mehr als souverän. Auch wenn in der Tiefe manchmal ein wenig getrickst werden muss, überzeugt die Italienerin mit gleißenden Spitzentönen und innigen Piani, wie sie nicht viele Vertreterinnen dieses Fachs vorweisen können. Sonia Ganassi als Fenena kann spielend mithalten und wertet ihre undankbare Rolle mit noblem Timbre auf. Ähnliches gilt für den von Rossini und Donizetti her kommenden Tenor Francesco Meli, der in jüngster Zeit immer mehr in dramatische Gefilde vorstößt, sich dabei aber nach wie vor eine stimmliche Agilität bewahrt hat, die dem frühen Verdi gut zu Gesicht steht.

Ganz in seinem Element ist hier ebenfalls Titelheld Zeljko Lucic, der in Salzburg bereits als Macbeth gefeiert wurde und mit kernigem Bariton nun auch dem babylonischen König die nötige Autorität verleiht. Einen würdigen Gegenspieler hat er allerdings in Dmitry Belosselskiy, der als Zaccaria mühelos die großen Ensembleszenen anführt.

Bleibt somit noch der von Roberto Gabbiani homogen einstudierte Chor des Teatro dell’Opera di Roma, der die heimliche Nationalhymne „Va pensiero“ zunächst im zarten Pianissimo haucht und schließlich in einem grandiosen Crescendo anschwellen lässt und damit, wie kaum anders zu erwarten, zu den Abräumern des Abends gehört.

Kommentare