Das tat nicht weh

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Flötist Emmanuel Pahud spielte Mozart im Münchner Herkulessaal „Aber nicht zu schnell, jedoch auch nicht zu langsam.

Così-così – mit viel Anmut und Ausdruck“, schreibt Mozart über das Allegretto-grazioso-Rondeau seines A-Dur Flötenquartetts. Ein „Genau richtig“ will das launige „Così-così“ – und nicht etwa den lauen Mittelweg. Den aber nahmen Emmanuel Pahud und seine drei Mitstreiter im gut halbvollen Herkulessaal. Freilich: Der gefüllten Hälfte des Glases kann man das Grundniveau des Abends nicht absprechen. Pahud ist ein Weltklasse-Flötist, hat einen runden Ton, wohlgestaltenden Atem und flinke Finger. Und zumindest Stephan Koncz am Cello hielt adäquat dagegen – federnd, feingliedrig. Maja Avramovic und Joaquín Riquelme García an Geige und Bratsche, ebenfalls Berliner Philharmoniker-Kollegen, haderten öfters mit Intonation und Wendigkeit.

Ihre Begegnung mit Mozarts vier Flötenquartetten plus zweien von Rossini klang so, wie es halt klingt, wenn vier hauptberuflich mit anderem Repertoire beschäftigte Profimusiker sich mal mit gewiss nicht unzähligen Proben Musik vornehmen, die sie vom Blatt spielen könnten: nett. Das tat nicht weh, beglückte nicht. War versehen mit gelegentlichen Detailfreuden – hier mal eine gelungene Durchführung, da mal eine getroffene Pointe, manch im Spiel gewonnene Erkenntnis, die erst bei Wiederholung, Reprise, Zugabe richtig fruchtete. Zeugte seltsamerweise nur bei Rossini (und in Ansätzen dem D-Dur-Mozartwerk) auch mal von echter Ahnung, von mehr Freude, Wagnis, schönen Ständchen, Zupacken im Finale. Aber da ist eben auch das Potenzial, die Substanz dieser Musik, die mehr sein kann, will, muss als belanglose Ablenkung. Die, wenn man richtig hinschaut, strotzt vor Geist und Gefühl. Die, gerade weil sie so vermeintlich einfach ist, ein „Genau richtig“ fordert, und nicht ein unverbindliches „Irgendwie“. Und diese Hälfte des Glases blieb an dem Abend ziemlich leer. Thomas Willmann

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