FRANK MATTHIAS KAMMEL MÖCHTE DIE MENSCHEN INS BAYERISCHE NATIONALMUSEUM LOCKEN – AUCH MIT „HERR UND HUND“

„Die Neugiermaschine“

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Museen bewahrendie Identitäteiner Gesellschaft

Vorstellung des neuen Generaldirektors . Von Simone Dattenberger.

Frank Matthias Kammel (Jahrgang 1962) ist seit 1. Juli Generaldirektor des Bayerischen Nationalmuseums und damit eines der wichtigsten kulturhistorischen Häuser der Welt. Er folgt auf Renate Eikelmann, die die Sammlung nicht nur erfolgreich ausbaute, sondern auch die desolate bauliche Präsenz der Institution beseitigte. Sowohl der einst räudige Vorplatz wurde in einen elegant-modernen verwandelt, als auch die Sanierung vorangetrieben inklusive der Wiedereröffnung der Riemenschneider-Säle und der Barock-Räume. Kammel hat damit eine gute Basis.

Am Freitag sollte ihn Kunstministerin Marion Kiechle offiziell der Presse vorstellen. Ein schöner Termin, wäre nicht ein Vorwurf dazwischengekommen: Die Medizinprofessorin habe sich für ein Krebsfrüherkennungsverfahren ausgesprochen, dabei jedoch nicht angegeben, an der betreffenden Firma beteiligt zu sein. Keine gute Basis für Kammels ersten Auftritt. Die Ministerin ging das Problem offensiv an. Sie betonte, dass sie alles rechtlich abklären lassen und sich dann erst äußern würde. Sie erklärte nur, dass Tatsachen mit Interpretationen und falschen Aussagen vermischt worden seien. Schließlich unterstrich sie, dass es der Anstand erforderte, sich jetzt auf den neuen Generaldirektor zu konzentrieren. Sie sieht in ihm die „Idealbesetzung“ des Postens. Außerdem pries sie das Nationalmuseum, in dem sich die Identität Bayerns spiegele.

Den Begriff Identität griff Frank Matthias Kammel in seiner Vorstellungsrede auf. Die machte gleich klar, dass er passioniert hinter seinen Anliegen steht und sie auch so zu vermitteln vermag: Ohne Gedächtnis verliere jede Gesellschaft ihre Identität. Europas Zivilisation hätte jedoch Garanten für sie entwickelt. „Einer der schönsten ist das Museum.“ Dass ein Experte für Skulpturen, der im Berliner Bodemuseum und an prägender Stelle im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg gewirkt hat, das Bayerische Nationalmuseum in dem Zusammenhang „besonders schön“ findet, kommt aus dem Herzen. All das, was „menschliche Kunstfertigkeit“ hervorbringt, begeistert den Profi nach wie vor. Diesen Enthusiasmus will er an die Besucher weitergeben, das Staunen anstacheln und aus dem „Informationslager“ Museum eine „Neugiermaschine“ machen: „Denn dann wird sie eine Denkfabrik.“ Das sei stets wichtig; nun, in Zeiten der Verunsicherung Europas, freilich noch mehr: Eine Gesellschaft müsse ihre Kultur verinnerlichen, um zu verstehen und die Zukunft gestalten zu können. „Eine Gesellschaft hat nur Bestand, wenn sie ihr Gewordensein kennt.“

Kammel wurde schließlich museal-konkret. Er will auf einen Imagewechsel hinarbeiten. Das Bayerische Nationalmuseum  soll als kulturhistorisches Museum wahrgenommen werden; der Begriff „Kunstgewerbemuseum“ sei zu sehr 19. Jahrhundert. Er kündigte drei Schwerpunkte an. Zum Ersten soll sein Haus noch mehr in der Forschung präsent sein – mit Publikationen, Tagungen, Projekten. Zum  Zweiten wird eine digitale Strategie entwickelt. Zum Dritten wird die kulturgeschichtliche Ausrichtung forciert. Neben Neukonzeptionierung, geistesgeschichtlicher Orientierung und Forschungszusammenarbeit zum Beispiel mit Kunst-Technologien wird natürlich die Sanierung weitergeführt.

Frank Matthias Kammel beendete die Pressekonferenz mit dem Thema Wechselausstellungen. Mit ihnen könne man schnell reagieren, experimentieren und Phänomene aufgreifen,  die Menschen interessieren, weil sie ihnen womöglich den Alltag erklären. Der Museumschef wollte noch keine Ideen verraten, die er gerade „mit dem hoch motivierten Team“ diskutiert. Eine Ausstellung steht indes fest – ausgehend von Thomas Manns charmantem Büchlein „Herr und Hund“, das vor 100 Jahren erschienen sei. Der Deutschen liebstes Haustier soll also dem großen Publikum die Tür zur „Denkfabrik“ an der Prinzregentenstraße aufstoßen.

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