Neuer Negativrekord für Lanz

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Wetten, dass. ..?

In der Kritik stehender Moderator musste sich nun auch der RTL-Dschungelshow geschlagen geben

Von Rudolf Ogiermann

Den unübersehbaren Abwärtstrend bei „Wetten, dass...?“ schön zu reden – darin haben die ZDF-Verantwortlichen schon lange Übung, im Grunde seit Thomas Gottschalks Zeiten. Bisher konnte man beim Mainzer Sender trotz schlechter Zahlen immer noch wenigstens darauf verweisen, dass die Show unangefochtener Tagessieger war. Doch auch das kommt immer seltener vor. Nicht nur, dass die jüngste Ausgabe der Show aus Karlsruhe mit Moderator Markus Lanz nur noch 6,31 Millionen Zuschauer hatte, so wenige wie nie zuvor. Am Tag danach muss das ZDF obendrein konstatieren, dass die meistgesehene Sendung des Tages die RTL-Dschungelshow war, mit sage und schreibe 8,03 Millionen Fans.

Doch auch die Konkurrenz zur selben Sendezeit ist dem ZDF-Klassiker längst dicht auf den Fersen, die Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS), obgleich ebenfalls seit einiger Zeit im Sinkflug, lag am Samstagabend nur wenige 100 000 Zuschauer zurück. „Wetten, dass...?“ – nur noch ein Angebot von mehreren, nicht mehr das (Show-)Ereignis.

Wer die Sendung aus Karlsruhe gesehen hat, wird sich darüber nicht wundern. Die Couch sah aus, als ob das ZDF plötzlich Mühe hätte, hochkarätige Gäste in die Sendung zu locken. Der ewige Atze Schröder (der für Mario Barth einsprang) war ein allzu billiges Angebot ans Comedypublikum der privaten Konkurrenz, Fußballer Max Kruse ist (voraussichtlich) noch kein Star, Yvonne Catterfeld kein Star mehr. Und auch Schauspieler Liam Neesons Fähigkeit, das Publikum zu begeistern, hielt sich in sehr engen Grenzen. So entpuppte sich ausgerechnet „Bergdoktor“ Hans Sigl als Mann des Abends, seine „Über-sieben-Brücken-musst-Du-gehen“-Session mit dem treuen Peter Maffay gehörte zu den Höhepunkten der Show, ein Hauch von alter „Wetten, dass...?“-Seligkeit wehte da durch die Halle.

An Markus Lanz lag es nicht, dass die Sendung „nur“ nette Unterhaltung war. Der 44-Jährige war erkennbar darum bemüht, keinen Fehler zu machen, stellte keine provokanten Fragen, machte Scherze hauptsächlich auf Kosten von Atze Schröder und dessen Frisur. Souverän auch Lanz’ Umgang mit der Online-Petition, mit der bis gestern Abend schon mehr als 200 000 Menschen seinen Hinauswurf als ZDF-Moderator fordern (wir berichteten). Wenn die Karlsruher etwas gegen die vielen Baustellen in ihrer Stadt unternehmen wollten, sollten sie doch einfach „eine kleine Online-Petition“ starten, feixte er.

So waren die Wetten (nicht zum ersten Mal) die eigentliche Attraktion des Abends – so verwegen (wenn auch als Idee nicht neu) wie Willi Stenggs Autofahrt die Skipiste hinauf, so verblüffend wie Tanja Hänsels fotografisches Gedächtnis. Auch tausend auf einem Tisch verteilte Stecknadeln können für Spannung sorgen.

Um 22.45 Uhr war Schluss, fast eine halbe Stunde früher als im Dezember in Augsburg. Dies habe jedoch nichts mit der Konkurrenz der Dschungelshow zu tun, versicherte ZDF-Sprecherin Silke Blömer am Sonntag auf Anfrage unserer Zeitung. Man sei einfach „gut durchgekommen“, insbesondere mit der wegen des Wetters problematischen Außenwette. Auch sonst sei die Sendung schon öfter vor 23 Uhr zu Ende gewesen, das sei „nicht ungewöhnlich“. Von Krise könne keine Rede sein, so Blömer. „Markus Lanz hat einen guten Job gemacht, ,Wetten, dass...?‘ war auch diesmal wieder eine unterhaltsame Show für die ganze Familie.“

Am Sonntagmorgen löste der Moderator seine Wettschuld für die verlorene Stadtwette ein und machte sich als Bauarbeiter in der Karlsruher Innenstadt nützlich. Vorschriftsmäßig mit Helm. Den wird er im übertragenen Sinne auch in den nächsten Monaten brauchen.

Zurück zur Übersicht: Kultur & TV

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare