„TONI, MÄNNLICH, HEBAMME“ MIT LEO REISINGER IN DER TITELROLLE ERZÄHLT AUS DEM ALLTAG EINES ENTBINDUNGSPFLEGERS

Das neue Baby der ARD

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Ein starkes Team: Entbindungspfleger Toni Hasler (Leo Reisinger) und Frauenärztin Luise Fuchs (Wolke Hegenbarth) in „Toni, männlich, Hebamme“. Foto: Kerstin Stelter

von Rudolf Ogiermann. Ärzte kommen reichlich vor im deutschen Fernsehen.

Schon eine Serie, die um eine Hebamme kreist, wäre dagegen nicht alltäglich, wie exotisch ist dann erst ein männlicher Geburtshelfer als Held der Geschichte? Doch genau um dieses Berufsbild geht es in „Toni, männlich, Hebamme“ (Arbeitstitel), einer ARD-Produktion, die im nächsten Frühjahr unter dem Label „Endlich Freitag im Ersten“ laufen soll. Zwei Teile sind abgedreht, sollten sie ein großes Publikum finden, könnte eine Reihe daraus werden.

Für Schauspieler Leo Reisinger in der Titelrolle war das Angebot, einen „Entbindungspfleger“ (so die korrekte Bezeichnung) zu spielen, eine doppelte Überraschung. „Ich wusste gar nicht, dass es so etwas gibt“, gesteht er im Gespräch mit unserer Zeitung: „Und ich hätte nie gedacht, dass ausgerechnet ich für diese Rolle ausgesucht werden würde.“ Andererseits: „Das muss schon jemand spielen, dem die Frauen vertrauen, ein Typ wie Jack Nicholson käme da eher nicht in Frage.“ Sagt Reisinger und lacht herzlich.

Erfahrung mit Kreißsälen hat der 40-Jährige reichlich – er ist Vater von drei Kindern im Alter von acht, vier und eineinhalb Jahren: „Alle Situationen rund um eine Geburt waren mir beim Drehen sofort geläufig.“ Szenen einer Entbindung gebe es zwar nicht, verrät der Schauspieler, trotzdem hat er sich von echten Hebammen die notwendigen Fachausdrücke und Handgriffe beibringen lassen.

Aber „Toni, männlich, Hebamme“ ist mehr als ein verfilmter medizinischer Lehrgang rund um die Geburtshilfe, und Leo Reisinger auch nur einer von zwei Hauptdarstellern. Seine Figur Toni Hasler teilt sich die Münchner Praxis mit der von Wolke Hegenbarth („Mein Leben und ich“, „Alles Klara“) gespielten Frauenärztin Luise Fuchs. Ein Arbeitsverhältnis nicht ohne Probleme.

Dazu kommt, dass im Privatleben des sympathischen Babyflüsterers längst nicht alles in trockenen Tüchern ist. Seine Frau (Kathrin von Steinburg) hat ihn nach einem One Night Stand rausgeschmissen, in der zweiten Folge gibt es Komplikationen in der Beziehung seiner Schwester (Lara Mandoki), nachdem der Vater ihres ungeborenen Kindes (Jakob Matschenz) einen schweren Unfall hatte. Der Entbindungshelfer ist auch als „Bindungshelfer“ gefragt. Keine Komödie also? „Der Plot ist schon ernst“, sagt Reisinger, „aber es gibt viele komische Momente, über die der Zuschauer hoffentlich lachen kann.“

Der gebürtige Münchner, der mit seiner Familie im Landkreis Miesbach lebt, bringt eine bairische Note in diese Produktion. Und lässt durchblicken, dass er gerne Filme dreht, die in der Heimat spielen, Dialekt inklusive: „Wenn die Darsteller in jeder Hinsicht passen, auch von der Sprache her, dann ist der Zuschauer doch viel schneller drin in der Geschichte.“

Für eine ARD-Produktion, die in ganz Deutschland zu sehen sein soll, macht der Schauspieler Reisinger gerne Konzessionen – ganz anders als der Autor Reisinger, der schon seit einiger Zeit mit ein paar Freunden selbst an einem Drehbuch für eine Serie schreibt. Sie spielt in München „und zeigt eine Seite der Stadt, die man so nicht kennt.“ Der 40-Jährige sieht bei der Machart einen ermutigenden Trend: „Moderne Serien vertrauen auf starkes Lokalkolorit und haben gerade dadurch internationales Potenzial.“

Leo Reisinger klingt ganz euphorisch. Und das darf er auch sein. Einer, der im Film wie im richtigen Leben so souverän Babys auf die Welt bringt, kann auch dafür sorgen, dass eine etwas andere Serie keine allzu schwere Geburt wird.

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