Im Namen der Gerechtigkeit

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Deckt das Komplott eines Pharmariesen auf: Georg Dengler (Ronald Zehrfeld). Der ZDF Film beruht auf einem gesellschaftskritischen Kriminalroman von Wolfgang Schorlau. zDF

Romanverfilmung im ZDF . Ronald Zehrfeld kämpft als Schnüffler Georg Dengler gegen die Pharmaindustrie.

Von Martin Weber

Seine Name ist Dengler, Georg Dengler – und er ist im Namen der Gerechtigkeit unterwegs. Seit mehr als zehn Jahren deckt der Privatdetektiv aus Stuttgart in den gleichermaßen spannenden wie gesellschaftskritischen Romanen des Schriftstellers Wolfgang Schorlau finstere Machenschaften in Politik und Wirtschaft auf, und es wurde allerhöchste Zeit, dass die brisanten Stoffe ins Fernsehen kommen. Jetzt endlich ist es soweit, das ZDF zeigt den ersten Fall für Dengler, der in der Reihenfolge der Bücher eigentlich sein sechster ist. Der packende Politikrimi „Dengler – Die letzte Flucht“ dreht sich um die dunklen Seiten der Pharmaindustrie und läuft heute um 20.15 Uhr als Fernsehfilm der Woche.

Mit Ronald Zehrfeld („Im Angesicht des Verbrechens“, „Barbara“, „Das unsichtbare Mädchen“) haben die Macher einen hervorragenden Darsteller des moralisch integren Georg Dengler gefunden, der früher mal beim BKA in Wiesbaden böse Buben gejagt hat, im Streit mit seinem Vorgesetzten die Brocken hinwarf und sich jetzt als Privatdetektiv in Stuttgart durchschlägt. In die schwäbische Metropole hat es Dengler nach seinem Ausscheiden beim BKA gezogen, weil dort sein Sohn lebt, für den er mehr Zeit haben will.

Sein erster ZDF-Fall führt ihn nach Berlin, wo er im Auftrag eines Anwalts Beweise für die Unschuld des Mediziners Bernhard Voss (Ernst Stoetzner) finden soll. Dem Chefarzt einer Klinik wird vorgeworfen, eine Krankenschwester vergewaltigt zu haben, was dieser vehement bestreitet. Schnell findet Dengler heraus, dass Voss das Opfer einer Verschwörung der Pharmaindustrie wurde, denn der Mediziner hat mit einer Studie die Wirksamkeit eines neuen Krebsmittels in Frage gestellt. Als Voss aus der Untersuchungshaft entkommen kann, hilft ihm Dengler bei seiner Flucht vor den Beamten von Kommissarin Finn Kommareck (Jenny Schily), die mit verdächtigem Eifer bei der Sache ist – die wilde Verfolgungsjagd durch Kliniken, Bahnhöfe und U-Bahn-Schächte ist das Herzstück des spannenden Krimis.

Unterstützt wird der Privatdetektiv von der geheimnisvollen Computerhackerin Olga (Birgit Minichmayr), die er unter wenig erfreulichen Umständen kennenlernt und zu der es eine Verbindung aus früheren BKA-Zeiten gibt. Parallel wird gezeigt, wie der hochrangige Pharmafunktionär Dirk Assmuss (Stefan Kurt) von vermummten Politaktivisten gefangen gehalten und verhört wird.

Seine Aussagen und Denglers Ermittlungen zeichnen das Bild eines in weiten Teilen korrupten Gesundheitssystems, bei dem Pharmafirmen, Kliniken und Ärzte nur noch am nackten Profit interessiert sind und der Patient die Zeche zahlt. Wolfgang Schorlau gelingt es in seinen Dengler-Krimis auf meisterhafte Art, gesellschaftsrelevante Themen mit spannenden Krimiplots zu verknüpfen – eine Kunst, die Regisseur und Drehbuchautor Lars Kraume im ersten ZDF-Film über Dengler bravourös umgesetzt hat, auch wenn es natürlich so manche Abweichung von der literarischen Vorlage gibt.

Für Hauptdarsteller Zehrfeld, bekennender „Schimanski“-Fan und in seinem Spiel von ähnlicher Körperlichkeit wie Götz George, ist der unerschrockene Schnüffler der Prototyp des Gerechtigkeitsfanatikers: „Als Dengler noch beim BKA war, kam er in Gewissenskonflikte, konnte den Beruf mit seinen eigenen Wertvorstellungen nicht mehr vereinbaren und hat sich entschieden, aus dem Job auszusteigen. Jetzt ist er Privatermittler und gehört einer Nische an, also nicht zur Wirtschaft, zur Politik oder irgendeiner Lobby.“

Für die Zuschauer wird es definitiv mindestens noch ein Wiedersehen mit dem Privatdetektiv geben. Die nächste Verfilmung eines Krimis von Wolfgang Schorlau ist beim ZDF bereits in Arbeit, im zweiten Fall müssen sich Dengler und Olga mit den verheerenden Auswirkungen der Massentierhaltung auseinandersetzen.

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