Nachdenkliches zur Eröffnung

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Die Welt ist im Umbruch oder – wahlweise – aus den Fugen. Wie sollen verängstigte Menschen mit dieser Situation umgehen? Bei der Eröffnungsfeier der Salzburger Festspiele empfiehlt der Schriftsteller Philipp Blom ein Denken mit Leidenschaft und Risiko.

Salzburger Festspiele

von Matthias Röder

Diese herrliche Stadt, diese wunderbare Musik. Die Salzburger Festspiele sind gewöhnlich ein Ereignis großer Leichtigkeit. Diesmal begannen sie aber mit einigen nachdenklichen Tönen des Historikers und Schriftstellers Philipp Blom. In seiner Eröffnungsrede sagte er, das kritische Denken sei auf dem Rückzug. „Es hat in westlichen Ländern seit dem Ende des Totalitarismus keinen so weitreichenden und so mächtigen Angriff gegen die Aufklärung gegeben wie heute.“ Die Spiele unter dem Motto „Passion, Ekstase, Leidenschaft“ dauern bis 30. August.

Aufklärung sei der Versuch, das kritische Denken höher zu achten als Meinungen, Vorurteile, Gefühle oder Dogmen. „Dieses Prinzip ist in die Defensive geraten“, warnte Blom. In dieses Umfeld passe ein US-Präsident, der sich täglich beim Lügen überbiete. Als Reaktion auf diesen Niedergang empfahl Blom ein Denken mit Leidenschaft und Risiko.

Die Gesellschaft mache in ihrer geistigen Bequemlichkeit viel zu wenig aus den aktuellen Freiheiten. „Was ist die angemessene Reaktion auf Bürger, denen offensichtlich ihre Mündigkeit lästig, die Freiheit zu anstrengend und die Gleichheit suspekt ist und die eine gefühlte Wahrheit einer durchdachten vorziehen?“, fragte der 48-Jährige. Die Zukunft werde nicht mehr als Verheißung, sondern als Bedrohung erlebt. „Wir werden nicht noch reicher werden, noch sicherer und noch privilegierter.“ Viele hofften, die Zukunft überhaupt zu vermeiden und in einer nie endenden Gegenwart zu leben.

„Auch die universellen Menschenrechte sind längst zu einer rhetorischen Beschwichtigung zusammengeschnurrt“, so Blom mit Verweis auf den Umgang mit Flüchtlingen. Das universelle Denken und die universellen Menschenrechte seien abgelöst worden vom Rückzug auf das Eigene, auf die Nation, die Grenze. „Freiheit, Gleichheit und Solidarität sind offensichtlich nur dann attraktiv oder durchsetzbar, wenn sie von hohen Mauern und Stacheldraht geschützt werden.“ So werde der Begriff der Aufklärung „zur Waffe im Kampf zur Erhaltung der Privilegien von Reichen und Mächtigen“.

Aus Sicht von Blom ist eine neue Aufklärung nötig, in der auch die Leidenschaft eine angemessene Rolle spielen solle. Es bedürfe wieder der Lust am riskanten Denken: „Wer bereit ist, die Dynamik des aufgeklärten Denkens gegen die Dogmen der Gegenwart zu kehren, wer bereit ist, riskant zu denken, kann Teil einer Zukunft werden, in der es sich zu leben lohnt.“

Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen betonte bei der Eröffnung der Festspiele erneut die Bedeutung der EU als Friedensprojekt. Die Zeiten nationaler Lösungen seien vorbei, so das Staatsoberhaupt.

Am Freitag stand mit Mozarts „Zauberflöte“ in der Neuinszenierung der US-Regisseurin Lydia Steier die erste Oper auf dem Programm. Im Publikum saßen auch Österreichs Kanzler Sebastian Kurz und die britische Premierministerin Theresa May. Natürlich ließ sich auch weitere Prominenz blicken. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) kam mit Ehemann Daniel Funke, Schauspieler Hardy Krüger Jr. mit seiner Frau Alice Rössler. Und wo in Österreich eine Gala ist, ist auch Richard Lugner nicht weit. Er brachte Freundin Simona Weiss mit.

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