KAREN BREECE HAT MIT FÜNF SENIOREN IHR DOKUMENTARISCHES THEATERPROJEKT „DON‘T FORGET TO DIE“ FÜR DAS THEATER HOCHX ENTWICKELT

Was nach dem Leben kommt

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Sie stellen sich dem Thema Tod (v.li.): Rosemarie Leidenfrost (93), Uta Maaß (88), Livia Hofmann-Buoni (78), Christof Ranke (78) und Ursula Werner (73). Foto: Lothar Reichel

Von Katrin Hildebrand. Dieser Abend kann Angst machen.

Ans Sterben will keiner gerne denken, schon gar nicht im Winter, wenn depressive Dunkelheit herrscht und Obdachlose in eisiger Kälte erfrieren. Die Regisseurin Karen Breece jedoch, die mit fünf Senioren ihr dokumentarisches Theaterprojekt „Don’t forget to die“ (Vergiss nicht zu sterben) entwickelt hat, bezeichnet das Stück als „vielleicht meine erste Komödie“. Ein leichter Abend zu einem schweren Thema sollte es werden. Das ist dem Ensemble geglückt.

Die Schauspielerin Ursula Werner, die blinde Pianistin Livia Hofmann-Buoni, der beschwingte Hobbymusiker Christof Ranke sowie die beiden erfahrenen Ehrenamtlerinnen Uta Maaß und Rosemarie Leidenfrost führen das Publikum im Theater HochX behutsam, humorvoll und voller Wärme an ihre Reflexionen über den Tod heran. Werner übernimmt dabei oft die Rolle der Moderatorin, erkundigt sich nach den bevorzugten Sterbearten ihrer Mitspieler, der erwünschten Bestattung und nach dem, was danach kommen könnte. Das alles spielt sich auf einer von Eva Veronica Born sparsam ausgestatteten Bühne ab. Die Darsteller sitzen, in augenzwinkernder Anspielung auf gesellschaftliche Gepflogenheiten, auf einer Art Parkbank. Dahinter eine Fensterwand, die Videoprojektionen erlaubt, und eine Notausgangstür mit der Aufschrift „Exist“ – existieren, leben.

Die Texte und Szenen entstanden  durch Interviews und Gespräche, die Breece und ihr Ensemble miteinander führten. Herausgekommen  ist  ein Gemisch aus Meinungen, Hoffnungen, Wünschen, Sehnsüchten, Ängsten und Theorien. Dieses Zusammenspiel unterschiedlicher Positionen illustriert auf intelligente Weise die Hilflosigkeit gegenüber dem Thema Sterben. Kaum einer spricht darüber.

Wie soll die Gesellschaft einen reifen Zugang, eine entspannte Haltung dazu entwickeln? Freilich birgt das Prinzip „Jeder darf mitreden“ auch die Gefahr der Verflachung. Es fehlt der theoretische Unterbau, der die sozialen Hintergründe des Tabus offenlegt. In einigen Momenten aber gelingt es dem Ensemble, gerade in seiner Subjektivität tief zu berühren. Das geschieht vor allem dann, wenn die Darsteller ihre Erinnerungen preisgeben oder wenn Pianistin Hofmann-Buoni und Posaunist Ranke den Trost in der Musik suchen. Großer Applaus belohnen Mut und Offenheit.

Nächste Vorstellungen

heute, 2. und 4. Februar, 19 Uhr, im Theater HochX, Entenbachstraße 37; Telefon 089/ 90 15 51 02 .

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