HANS CHRISTIAN SCHMIDS MINI-SERIE „DAS VERSCHWINDEN“ SETZT MAßSTÄBE – DIE ARD ZEIGT DEN ERSTEN TEIL AN DIESEM SONNTAG

Mütter oder die Balance des Glücks

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Stark: Julia Jentsch spielt die Mutter des verschwundenen Mädchens. Foto: ARD

Von Katharina Dockhorn. Michelle Grabowski (Julia Jentsch) ist verzweifelt.

Ihre Tochter (Elisa Schlott) ist verschwunden. Die Polizei rechnet mit dem baldigen Wiederauftauchen des Mädchens, da vieles darauf hindeutet, dass Janine der Enge der Provinz den Rücken kehren wollte. Daher macht sich Michelle selbst auf die Suche nach ihrer Tochter Janine. Die folgenden Wochen und Monate werden auch zu einer Konfrontation mit dem eigenen Lebensentwurf und ihren Ängsten.

Die ARD strahlt die grandiose Mini-Serie „Das Verschwinden“ an vier Abenden je um 21.45 Uhr aus. Die ersten beiden Folgen laufen an diesem Sonntag, die anderen am 29., 30. und 31. Oktober.

Eine erste Spur führt zu Janines Freundinnen Manu (Johanna Ingelfinger) und Laura (Saskia Rosendahl) und ins blühende Drogenmilieu der bayerisch-tschechischen Grenzregion, über die Deutschland mit billigen synthetischen Aufputschmitteln aus illegalen Schmieden im Nachbarland versorgt wird. Das Trio hat versucht, selbst in den Schmuggel einzusteigen. So beginnt die achtteilige Serie von Regisseur Hans Christian Schmid. Ihn reizen an „Das Verschwinden“ zwei Dinge, betont Schmid: „Zum einen die Ermittlergeschichte, in deren Mittelpunkt jemand steht, der keine Ahnung hat, wie man das macht. Eine starke Frauenfigur, die auf sich selbst zurückgeworfen und überfordert ist, und aus dieser Situation heraus eine große Entschlossenheit entwickelt.“ Zum anderen fasziniere ihn, dass der große Erzählbogen einer Mini-Serie es ermögliche, über die Krimispannung hinaus das Porträt mehrerer Familien in einer Kleinstadt zu zeichnen.

Nicht die Ermittlungen der Polizei, das Leben der Kommissare oder die Korruption in deren Reihen treiben die Handlung voran. Es sind Michelles Nachforschungen, bei denen die kleinen und großen Lebenslügen und Heimlichkeiten des Freundes- und Bekanntenkreises der Familie langsam ans Licht kommen.

Hinter den bürgerlichen Fassaden moderner Familien werden Anzeichen von sozialer Verwahrlosung sichtbar. Die Erwachsenen handeln in dem Glauben und der Absicht, Partner und Kinder zu schützen. Sie wollen ihren Kindern eher Freund als Erzieher sein. Aber sie schaffen es nicht, sie in die Unabhängigkeit zu entlassen, sie finden kein angemessenes Maß zwischen Verstehen, Kumpanei und Strafe. Es fällt ihnen schwer, die Werte zu leben, die sie predigen. In dieser Atmosphäre lassen sich Generationskonflikte kaum austragen, Rebellion und die Suche nach alternativen Lebensentwürfen unterbleiben.

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