Der Münchner Regisseur Andy Fetscher über seine Episode „Fürchte dich“

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Andy Fetscher

An Halloween zeigen die Sender gerne Horrorfilmklassiker, da wollten die Macher des ARD-„Tatort“ heuer einmal nicht abseits stehen.

Bereits am Sonntag um 20.15 Uhr strahlt das Erste die Episode mit dem unmissverständlichen Titel „Fürchte dich“ aus. Der Film des Hessischen Rundfunks (HR) beginnt mit dem Versuch eines alten Mannes, im Haus des Frankfurter Kommissars Paul Brix (Wolfram Koch) und seiner Mitbewohnerin Fanny (Zazie de Paris) Feuer zu legen. Dann wird auf dem Speicher ein Kinderskelett entdeckt. Welches dunkle Geheimnis birgt die alte Villa? Wir sprachen mit dem Regisseur des Krimis, dem gebürtigen Münchner Andy Fetscher (Jahrgang 1980).

-Wenn man an die Wohnsituation von Kommissar Brix denkt, dann war ein Horrorfilm, der in diesem Haus spielt, wohl nur eine Frage der Zeit...

Das Haus hatte durch seine Atmosphäre der Morbidität schon immer eine große Anziehungskraft auf die Macher, sodass klar war, dass es auch einmal die Hauptrolle spielen muss. Auf der anderen Seite gab es wohl schon länger Konflikte mit dem Vermieter, wann und wie lange jeweils dort gedreht werden darf. Es lag also im Interesse des Senders, den alten Kasten loszuwerden, deswegen war der Auftrag an mich: „Schreib’ ne Geschichte, an deren Ende das Haus abbrennt!“ Das habe ich mir nicht zweimal sagen lassen.

-Der Gruselhausfilm ist ja ein eigenes Genre. Alte Villen, in denen es spukt, weil da früher mal Verbrechen geschehen sind. In „Das Waisenhaus“ ertrinkt ein Kind, nachdem es von seinen Spielkameraden in eine Falle gelockt wurde. Auch in „Fürchte dich“ ertrinkt jemand. Stand dieses Werk Pate?

Ich habe den Film vor vielen Jahren gesehen, jedoch gar nicht mehr an ihn gedacht. Aber das Waisenhaus als solches ist ein starkes Element, und vielleicht hatte ich den Film unbewusst vor Augen. Meine Vorgehensweise ist so, dass ich über Szenen, die mich interessieren, an eine Geschichte herangehe. Und ich wollte unbedingt Szenen haben, in denen in einem Haus Spielzeug versteckt ist, das jemand nach Jahrzehnten wieder ausgräbt. Da liegt ein Schauplatz nahe, an dem einmal viele Kinder gelebt haben. Das hat uns auf die Idee mit dem ehemaligen Waisenhaus gebracht.

-Keine direkten Anspielungen auf Klassiker?

Ich habe mir erlaubt, ein wörtliches Zitat aus „Der Exorzist“ einzubauen, den ich für einen der besten Horrorfilme überhaupt halte. Aber Filme über Spukhäuser gibt es so viele, man muss einfach einen Plot finden, der sich im Rahmen eines „Tatort“ in einer solchen Kulisse spannend erzählen lässt.

-Gab es Restriktionen von Senderseite, nach dem Motto: „Bitte keinen Totenschädel in Nahaufnahme“?

Es war ja von Anfang an der Plan, diesen „Tatort“ zu Halloween zu zeigen. Wir Macher haben gar nicht so viel über die Frage, was geht und was nicht geht, nachgedacht. Wir wollten den Film so machen, dass sich die Zuschauer wirklich gruseln, das ist ja der Sinn der Sache. Und das Feedback aus dem Schneideraum war wohl so, dass sich die Fernsehfilmchefin des HR immer wieder hinter dem Schreibtisch verstecken musste, obwohl sie schon viele Horrorfilme gesehen hat. (Lacht.)

-Der Film läuft um 20.15 Uhr, ist also für Zuschauer ab zwölf freigegeben – würden Sie Zwölfjährigen raten, ihn anzuschauen?

Ich weiß nicht, ob Zwölfjährige die typischen „Tatort“-Schauer sind. Aber sinnvoller als FSK 18 (Freigabe eines Films für Zuschauer ab 18 Jahren, Red.) fände ich FSK U 70, weil ich glaube, dass Jugendliche von heute das locker aushalten. Ich bin der Meinung, dass ein gut gemachter Horrorfilm die Fantasie beflügelt und ein Kind oder einen Jugendlichen weniger verstört als ein Film, in dem es darum geht, dass Leute Autos klauen und sich damit Wettrennen liefern.

-Glauben Sie selbst an Übersinnliches?

Es wäre doch komisch, an die Fantasie des Menschen zu appellieren, wenn man nicht selbst bereit ist, an Dinge zu glauben, die unerklärlich sind. Selbstverständlich glaube ich an Übernatürliches, wie vermutlich die meisten Menschen. Da habe ich schon als Kind einiges erlebt...

-Was zum Beispiel?

Ich habe mit fünf Jahren mal ein Spielzeug verloren und wochenlang nicht wiedergefunden. Und dann habe ich es eines Abends, als ich ins Bett gegangen bin, mit den Füßen am Bettende ertastet. Ich war überzeugt davon, dass mir das irgendjemand Fremdes dahin gelegt hat. Aber meine Eltern haben mir nicht geglaubt.

Das Gespräch führte Rudolf Ogiermann.

Zurück zur Übersicht: Kultur & TV

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare