Motive am Fließband

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Kein Mangel an Verdächtigen: Martin Wuttke als Leipziger Kommissar Andreas Keppler. Foto: ARD

Beschimpfungen, Drohungen, Prügel – schon die ersten Szenen machen (überdeutlich) klar, dass Entsorgungsunternehmer Harald Kosen (Bernhard Schütz) ein ganz übler Typ ist. Kein Wunder also, dass er wenig später erschlagen aufgefunden wird.

„Blutschuld“, der jüngste ARD-„Tatort“ aus Leipzig, arbeitet sich am Sujet des Tyrannenmordes ab und präsentiert schon bald ein ganzes Rudel von Verdächtigen.

Krumme Geschäfte, ein totgefahrenes Kind, Misshandlung des Sohnes, Missbrauch der Tochter – Autor und Regisseur Stefan Kornatz liefert Motive am Fließband. Eine Gemengelage, angesichts derer man die Frage der Kommissarin, „Gibt es in Ihrer Familie irgendwelche Probleme?“, als besonders feinen Witz auffassen muss. Doch das hier ist alles ernst gemeint.

Weil aber viel nur selten viel hilft, erweist sich dieser Krimi – von der Anhäufung von Bluttaten abgesehen – als ziemlich fad und flach. Kornatz bleibt jegliche Feinzeichnung seiner Charaktere schuldig, entsprechend monoton reihen sich die Szenen aneinander.

Wie sich die Dinge so entwickeln konnten, wie sie sich entwickelt haben, interessiert den Autor nicht. Stattdessen verschenkt er viel Zeit an eine zarte Freundschaft zwischen einer potenziell Tatverdächtigen und der Ermittlerin (gewohnt bemüht: Simone Thomalla als Eva Saalfeld). Auch die Figur des ungeliebten Sohnes, der zum (Serien-)Killer wird (Tino Hillebrand), bleibt letztlich rätselhaft.

Erstaunlich, dass sich unter diesen schlechten Voraussetzungen ausgerechnet Fiesling vom Dienst Uwe Bohm als Ex-Partner des bösen Harald Kosen eine Vielschichtigkeit erspielt, von der der dauerausgebrannte Martin Wuttke als Ermittler Andreas Keppler inzwischen meilenweit entfernt ist. Rudolf Ogiermann

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