Mittendrin statt nur dabei

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Botschafter des Saarlandes: Werner Zimmer.

Nachruf . Zum Tod des Sportjournalisten Werner Zimmer, der am Montagabend im Alter von 78 Jahren starb.

von Jörg Fischer und Rudolf Ogiermann

Von allen Sportjournalisten seiner Generation war er – von Harry Valérien einmal abgesehen – der sportlichste, sein Charme und seine Souveränität vor der Kamera prädestinierten Werner Zimmer für höchste (Moderations-)Aufgaben im deutschen Fernsehen. Kein Wunder, dass er als Präsentator der bis heute wichtigsten Sportsendung im deutschen Fernsehen einst als „Mister Sportschau“ amtierte. Doch der Mann mit der auch im reiferen Alter noch sehr jugendlichen Ausstrahlung beschränkte sich nicht auf die Präsentation von Ergebnissen im Studio, sondern war ebenso gerne mittendrin im sportlichen Geschehen. Am Montagabend ist Zimmer im Alter von 78 Jahren gestorben.

Geboren im saarländischen Schaffhausen, wollte Zimmer – in seiner Jugend erfolgreicher Leichtathlet – eigentlich Priester werden, doch seine Leidenschaft für den Sport war stärker. Im Jahr 1961 kam er als freier Mitarbeiter zum Saarländischen Rundfunk (SR), wo er schnell Karriere machte. Bereits mit 33 Jahren war er Sportchef des SR, schuf dort unter anderem mit der Sendung „Sportarena“ eine Bühne für den Sport aus der Region.

Bundesweit wurde Zimmer als Moderator der ARD-„Sportschau“ bekannt, die er von 1966 bis 1993 präsentierte. Im Jahr 1963 hatte er erstmals für den SR als Radioreporter von der Tour de France berichtet, die ihn bis zum Ende seiner Karriere nicht losließ. Anfangs verfolgte er die Tour als Reporter und Moderator, ab 1998 übernahm er die Leitung des ARD- und ZDF-Teams, die er noch 2008 innehatte. Ebenfalls seit den Sechzigerjahren war Zimmer Mitglied des ARD-Teams bei den Olympischen Spielen, ab 1968 auch bei allen Fußballwelt- und Europameisterschaften. Zu Zeiten, als dies noch nicht üblich war, konnte Zimmer seinen Gesprächspartnern auch kritische Fragen stellen.

Bei seinem Haussender übernahm Zimmer viele Leitungsaufgaben, wurde im Jahr 1993 Fernsehprogrammdirektor und 1997 bis zur Pensionierung 2001 stellvertretender Intendant. Seine Vielseitigkeit bewies er bei Informations- und Unterhaltungssendungen.

Der leidenschaftliche Sportförderer war im Laufe seiner Karriere in unterschiedlichen Positionen ehrenamtlich tätig. So war er unter anderem Vizepräsident des Deutschen Leichtathletikverbandes. Vor rund 20 Jahren gründete er mit prominenten Sportlern und Medienschaffenden den Freundeskreis „Die Schneeforscher“, der für karitative Zwecke sportlich tätig wurde. Dem Kreis gehörten unter anderen Ex-Bundestrainer Jupp Derwall (1927–2007) sowie die Fußballerlegenden Franz Beckenbauer und Uwe Seeler an.

Der Intendant des Saarländischen Rundfunks, Thomas Kleist, würdigte den Verstorbenen als „herausragende Persönlichkeit für den SR, für die ARD und für das gesamte öffentlich-rechtliche System“. Als Sportberichterstatter sei er als Experte anerkannt und als Reporter und Moderator gefragt gewesen: „Sein Elan, sein unbändiger Wille, Neues anzuschieben, und seine selbstlose, herzliche Art werden uns fehlen.“

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