PREMIERENKRITIK

Mittelgebirgs-Klamauk

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Neuauflage von „Der Watzmann ruft“ im Deutschen Theater

von jörg heinrich

Der Watzmann ist jetzt Bayer. Was geografisch keine Neuheit darstellt, hat es nun auch auf die Bühne des Deutschen Theaters in München geschafft. In der Neuauflage des Bergsteiger-Ulks „Der Watzmann ruft“ ersetzt Liedermacher Mathias Kellner aus Straubing den müde gewordenen Austropop-Gottvater Wolfgang Ambros als Sänger und Erzähler. Jung-Alpinist Kellner – groß und prächtig, sangesmächtig – macht seine Sache gut. Aber auch er kann nicht verhindern, dass der „neue Watzmann“, der so neu gar nicht ist, humoristisch eher zwischen Isar-Hochufer und Mittelgebirge unterwegs ist.

44 Jahre nach dem Watzmann-Album von Wolfgang Ambros, Manfred Tauchen und Joesi Prokopetz (der als Letzter noch mitkraxelt) ist der Weg auffi auf den Gipfel ganz schön ausgelatscht. Viele hatten ja befürchtet: „Des tuat koa Guat nit“ – das wird nicht hinhauen, der Watzmann ohne den Ambros. Zumindest seine Band, die unverwüstliche Nr. 1 vom Wienerwald, steht nach wie vor auf der Bühne. Doch sie begleitet jetzt Mathias Kellner, der mit einer umjubelten Blues-Version von „Mei Bua, der foit“ zeigt, wohin sich dieser Watzmann mit frischen Ideen entwickeln könnte.

Doch damit steht er weitgehend allein. Regisseurin Gitti Guggenbichler hält sich brav an die Inszenierungen, mit denen Joesi Prokopetz als Bauer und Christoph Fälbl als Bub seit Jahren unterwegs sind. Die grausige Gschicht vom verfluchten Watzmann ist unter Klamauk begraben, der aktuell sein soll, aber nicht recht zündet. Aus der ewigen Frage „Soll ma weggehen?“ wird eine Flucht in die Türkei, Bauer Prokopetz raucht Dieseltabak, und die Gailtalerin soll an Markus Söder im Fasching erinnern.

Apropos: Der Gailtalerin, von EAV-Sänger Klaus Eberhartinger routiniert runtergespielt, fehlt es an Saft und Kraft. Und weil sie aus politischer Korrektheit ihre wogenden Brüste nicht mehr zeigen soll, springt Model Futurelove Sibanda mit einem Männerstrip ein, der ebenso verzichtbar ist wie die Geigen-Einlage von Schandmaul-Musikerin Anna Kränzlein. Es haut diese Inszenierung zwar nicht mit voller Wucht in die Schlucht, Lacher gibt’s allemal. Aber wer drunt im Tal bleibt, verpasst nicht viel.

Weitere Vorstellungen

bis 29. April,

Telefon 089/ 55 23 44 44.

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