PAVOL BRESLIKS LIEDERABEND ZUM AUSKLANG DER OPERNFESTSPIELE

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von gabriele Luster. Liebe und Schmerz – wie eng sie zusammengehören, davon kündete im letzten Liederabend der Münchner Opernfestspiele Tenor Pavol Breslik zusammen mit Amir Katz, seinem Partner am Klavier.

Die Lieder von Antonín Dvořák, Franz Liszt und Mikuláš Schneider-Trnavsky verlangten viel Emotion, und Breslik ist genau der Richtige, sie freizusetzen und dennoch geschmackssicher die Fasson zu wahren. So nahm er das Publikum im voll besetzten Prinzregententheater mit auf eine Reise in die (spät-)romantische, böhmisch-ungarische Empfindungswelt.

Den Auftakt machten die 18 Lieder des Zyklus „Zypressen“, in dem der 24-jährige Dvořák auf Gedichte von Gustav Pfleger-Moravsky seine unglückliche Jugendliebe verarbeitet hat. Dem Original für Singstimme und Klavier ließ der Komponist zwei Jahrzehnte später eine Fassung für Streichquartett folgen. In weichem Tschechisch und mit gut fokussierter Stimme erzählte der Tenor von süßem Herzeleid und steuerte mit seinem Begleiter die kleinen dramatischen Zuspitzungen gezielt an. Besonders ergreifend gelang das fünfte Lied „O, was für ein schöner, güldner Traum“. Die Bandbreite des Ausdrucks bleibt bei Dvořák begrenzt: Liebesleid, zuweilen ein kurzes, verzweifeltes Aufbegehren im Forte, eine Spur Resignation sorgen nicht für belebenden Kontrast. Den mag mancher bei 18 (!) Liedern vermisst haben, auch wenn die Interpreten ganz bei der Sache waren, und Katz in den knappen Nachspielen die Stimmung fein ausklingen ließ.

Musikalisch nuancenreicher kamen die folgenden vier Lieder von Liszt (auf Texte Victor Hugos) daher. Für das Liebeswerben setzte Breslik die feurigeren, virilen Töne ein und ließ in „Mein Kind, wär’ ich König“ den „Kuss von Dir“ wie einen Hauch spürbar werden. Mit Liszt sang und spielte sich das erfahrene Lieder-Duo frei, um dann in den Gesängen von Schneider-Trnavsky noch enthusiastischer ans Werk zu gehen und das Publikum restlos mitzureißen. Die vielfach am Volksliedton orientierten Lieder des Slowaken kommen, obwohl ihr Schöpfer erst 1958 starb, in spätromantischem Gewand daher, wirken aber durch ihre unterschiedliche Thematik abwechslungsreich und lebendig. Mit Inbrunst und wunderbar frei schwingender Stimme widmete sich Breslik (im bestickten Kittel) diesen Klängen seiner Heimat, von Katz am Klavier entsprechend befeuert. Jubel, Zugaben und Blumen, die zu den Damen im Parkett flogen.

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