Mehr Politik wagen

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Gemeinsam gegen Rechtsradikale: Residenztheater-Intendant Martin Kušej (re.) und Johan Simons, sein Kollege von den Münchner Kammerspielen, präsentierten eine Kopie des Fassaden-Transparents, mit dem die Künstler gestern Abend Flagge zeigten gegen eine Demonstration von Neonazis auf dem Max-Joseph-Platz. Foto: dashuber

ausblick auf die spielzeit 2013/14  Intendant Martin Kušej stellt seine Pläne für das Residenztheater vor – und hat Kammerspiele-Chef Simons eingeladen

von michael schleicher

Noch „politischer“ solle das Profil seines Residenztheaters werden, kündigte Martin Kušej gestern bei der Vorstellung des Spielplans der kommenden Saison an. Was damit auch gemeint ist, zeigte der Intendant noch am selben Abend, als ein großes Transparent an der Theaterfassade zum Max-Joseph-Platz hing: „Schleichts Euch! Kein Fußbreit dem Faschismus“, lautete die Botschaft der Künstler an die Neonazis, die am Abend auf dem Platz aufmarschierten. „Das Erstarken von autoritären und faschistoiden Tendenzen müssen wir beobachten und in unser künstlerisches Handeln einbeziehen“, erklärte Kušej. „Ich bin überzeugt, dass wir hier aus diesem südlichen Steuerparadies einiges zu sagen haben.“

Dies will er unter anderem mit einem „wieder kräftiger zupackenden“ Spielplan für die nächste Saison (siehe Randspalte). Sie steht unter dem Motto „Das Jahr der unruhigen Träume“ – und erinnert daran, dass der Erste Weltkrieg, die „Urkatastrophe des Jahrhunderts“, vor 100 Jahren die Moderne erschütterte. 1913/14 sei ein „interessanter Spiegel unserer Gegenwart“, ist der 51-jährige Kušej überzeugt.

Mit der aktuellen Spielzeit, seiner zweiten als Chef in München, ist er zufrieden – sie laufe „richtig, richtig sehr gut“. In Zahlen: Die Gesamtauslastung der drei Spielstätten Residenztheater, Cuvilliéstheater und Marstall lag bis März bei 80,5 Prozent. Das sind rund zehn Prozent mehr als in Kušejs erster Münchner Saison.

Bereits damals hatte der Kärntner die „historische Feindschaft“ seines Hauses mit den städtischen Kammerspielen auf der anderen Seite der Maximilianstraße für beendet erklärt. Nun kommt es zu einem künstlerischen Austausch: Flankierend zu Kušejs eigener „Faust“-Inzenierung im Residenztheater wird Kammerspiele-Intendant Johan Simons im Cuvilliéstheater den Jelinek-Text „FaustIn and out“ auf die Bühne bringen. „Man muss keine Angst haben um sein eigenes Profil“, erklärte Simons. Offen ist bislang noch, mit welcher Arbeit sich Kušej bei Simons revanchieren wird.

Dagegen steht fest, dass Lambert Hamel ins Residenztheater-Ensemble zurückkehren wird. Außer ihm kommen die österreichische Schauspielerin Valerie Pachner sowie ihre Kollegin Valery Tscheplanowa neu nach München. Letztere wird bereits von 5. Mai an in Dimiter Gotscheffs „Zement“-Inszenierung im Resi zu erleben sein (siehe Artikel unten).

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