HOFESH SHECHTERS TANZSTÜCK „GRAND FINALE“ BEI DEN MUFFAT-FESTSPIELEN

An der Mauer

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Zeigen, wie aktuell, spannend und zugleich gesellschaftsbezogen die Gegenwartskultur sein kann, das ist für die Leiter des Münchner Muffatwerks Christian Waggershauser und Dietmar Lupfer seit Gründung 1993 der konzeptuelle Leitfaden.

Und natürlich erst recht für das im Juli angelaufene Muffat-Festspiel zum 25. Jubiläum (wir berichteten). Konzerte, auch mehrmals mit Party, Poetry Slam, Grenzgänge zur Wissenschaft und freie Tanzstile – alles da.

Ein Höhepunkt war gerade „Grand Finale“, eine zwischen tief dunkler Endzeitstimmung und trotzigem Lebenswillen taumelnde Geschichte des in Jerusalem geborenen, in London basierten Choreografen und Komponisten Hofesh Shechter. In der Muffathalle toste der Applaus.

Dabei tanzen doch lediglich neun Tänzer in unscheinbaren Alltagsklamotten. Aber wie sie tanzen! Laufend und stampfend schaufeln und wühlen sie die Bewegung regelrecht aus ihrem Körper, frieren in gebrochener Silhouette ein, jagen weiter, fast immer in Gruppe. Alles entgegen jeder Modern-Dance-Vertrautheit, alles anti-ästhetisch! Der Körper ist freigelassen, darf sich intuitiv artikulieren. Man erahnt hier die Gaga-Methode von Batsheva-Chef Ohad Naharin, bei dem Shechter getanzt hat, auch die Gemeinschaftlichkeit des Kibbuz und nimmt folkloristische Elemente wahr.

Shechters Tanz zwischen mehrmals verschobenen hohen schwarzen Wandteilen – mal  deutbar als Klagemauer, mal als Israels Einmauerung – wird so zu einer Selbst-Stählung, zum Widerstand gegen äußere Bedrohung, zum Aufschrei und und zum Angriff. Ein Sextett ist live mit auf der Bühne. Süße Streichertöne, ein Lehár-Schlager, Klezmer-Anklänge und zugespieltes kriegerisches Schlagwerk mischen sich. Versöhnlich oder zynisch? Gleichviel. Hofesh Shechter erreicht uns direkt im Nervensystem. Und das ist im zeitgenössischen Tanz eher selten. Malve Gradinger

Weitere Festspiel-Events

bis 19. September unter www.muffatwerk.de; Karten: 089/ 54 81 81 81.

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