Mamas Besuch

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„Tomte“-Uhlmann las im Ampere aus seinem Buch. von Marco Mach.

Immer, wenn Thees Uhlmanns Mama aus Cuxhaven zum Besuch nach Berlin kommt, gehen sie ins Luxuskaufhaus Lafayette. Nicht zum Shoppen. Vielmehr zum Handtaschen-Gucken. Und Preis-Staunen. Er: „Ich hab hier 1800 Euro.“ Sie: „2500. Nicht mal Schlangenleder.“ Er: „Boah.“ Geschichten wie diese sind die zusätzliche Würze einer ohnehin schon herzhaften Lesung am Montag im ausverkauften Münchner Ampere. Der Indie-Rocker („Tomte“) ist unter die Autoren gegangen. Kurzes Vorgeplänkel: „Bitte keine Fotos von der Seite, wegen der Figur“, sagt er. Und keine Fragen, „denn Rock’n’Roll und Demokratie sollten nix miteinander zu tun haben“.

Dann beginnt der 41-Jährige zu lesen – mit der Titelseite: „Thees Uhlmann: ,Sophia, der Tod und ich‘.“ Der Tod klingelt beim Protagonisten, will ihn holen. Thematisch lässt, genau, „Der Brandner Kaspar“ grüßen, im intellektuellen Plauderton sein Musiker-Autor-Kollege und Vorbild Sven Regener. Dann entwickelt sich ein wunderbares Wortgefecht und Roadmovie – rasant, komisch, berührend –, bei dem der Ich-Erzähler nochmal seinen Sohn trifft und der Tod erstmals Leben spürt. Uhlmann in Jeansjacke und -hose („Giesinger Smoking“) liest, nein, er lebt ausgewählte Buchpassagen. Erzählt andere nach. Flüstert dabei. Schreit. Schnoddert Norddeutsch. Macht Geräusche. Gibt Gas. Bremst ab. Schweift ab. Und freut sich über alles: etwa darüber, dass er nach zwölfjähriger Anlaufzeit endlich sein Buch geschrieben hat. Dass dieses auf der Spiegel-Bestsellerliste steht. Nach dem Handtaschen-Gucken sitzen Uhlmann und seine Mama in der Küche. Er erzählt ihr mit eben dieser kindlichen Freude, dass sein Roman jetzt Buch des Monats beim NDR ist. Darauf sie nüchtern: „Warum denn das?“ Was ne Frage!

Thees Uhlmann:

„Sophia, der Tod und ich“. Kiepenheuer & Witsch, Köln, 320 Seiten; 18,99 Euro.

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