GEDENKEN

Maestro assoluto

Arturo Toscanini ist als genialer Orchesterleiter immer noch eine Legende; seine Schimpftiraden sind heute noch auf Youtube dokumentiert. Hier dirigiert er das Eröffnungskonzert der Mailänder Scala nach dem Wiederaufbau 1946. Foto: dpa
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Arturo Toscanini ist als genialer Orchesterleiter immer noch eine Legende; seine Schimpftiraden sind heute noch auf Youtube dokumentiert. Hier dirigiert er das Eröffnungskonzert der Mailänder Scala nach dem Wiederaufbau 1946. Foto: dpa

Dirigent Arturo Toscanini wurde vor 150 Jahren geboren

„Nein, nein, nein, ein Graus, eine Sauerei!“ Auf Youtube kann man Stunden damit verbringen, die Wutausbrüche eines Italieners zu verfolgen – oder einige seiner beeindruckendsten Konzerte, bei denen es scheint, als würde er das Orchester führen wie eine Marionette. Der italienische Dirigent Arturo Toscanini, vor 150 Jahren geboren, steht für beides: für seine Unerbittlichkeit und seine Genialität am Pult. Er verlangte seinen Musikern und sich selbst Perfektion ab und ging als Maestro assoluto in die Geschichte ein.

Toscanini wurde am 25. März 1867 als Sohn eines Schneiders in Parma geboren. Mit neun Jahren kam der Hochbegabte ins Konservatorium. Nach dem Abschluss schlug er sich als Cellist ohne festes Engagement durchs Leben. Dann das unvorhergesehene Debüt: Als 19-Jähriger war er als Cellist mit dem Impresario Claudio Rossi auf Südamerikatournee. In Rio de Janeiro warf Rossi nach einem Streit den Dirigenten raus und teilte Toscanini nur Minuten vor der „Aida“-Aufführung mit, dass er ans Pult müsse. Als Grundlage diente Toscanini lediglich ein Klavierauszug. Ohne kompletten Notensatz griff er zum Taktstock und dirigierte aus dem Gedächtnis. Von da an ging es steil bergauf. 1886 berief man ihn an das Teatro Carignano in Turin, wenig später ging er an die Mailänder Scala.

1907 verließ er nach Querelen das Haus und übernahm die künstlerische Leitung der New Yorker Metropolitan Opera. Toscanini blieb dabei: Er dirigierte die Konzerte und Opern auswendig. Die Aussage der Partitur sei bei ihm im Zentrum gestanden, sagt Musikwissenschaftler Daniel Brandenburg von der Universität Salzburg. Als „unbeugsamer, aufrechter Vertreter seiner musikalischen, menschlichen und politischen Überzeugungen“ weigerte sich Toscanini unter den Nazis, in Deutschland zu spielen. Auch im Italien Mussolinis hielt er es nicht lange aus, 1937 ging er nach New York ins Exil. Im Alter von fast 90 Jahren starb Toscanini dort. Lena Klimkeit

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