Männliche Eiertänze

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GESPRÄCH ZUR PREMIERE René Heinersdorff bringt im Bayerischen Hof die Komödie „Sei lieb zu meiner Frau“ heraus

von malve gradinger

Wäre das nicht eine Quizfrage für Boulevard-Fans: Wer hat, zusammen mit seiner Mutter und deren Geschäftspartnerin, die ehemalige Münchner Komödie am Max II – heute GOP-Variété-Domizil – als Schauspieler und Regisseur geleitet? Autor ist er auch. „Sei lieb zu meiner Frau“ ist sein zehntes Stück. Die Habitués der Münchner Komödie im Bayerischen Hof, wo diese skurrile Fremdgeh-Story an diesem Mittwoch in seiner Inszenierung Premiere hat, wissen’s: René Heinersdorff.

R. H., eine kleine Energiebombe: An der Direktion des Kölner Theaters am Dom, das Barbara Heinersdorff und Inge Durek seit 1973, demnach zeitweise parallel zu München, leiten, ist er beteiligt. Alleiniger Chef ist er im von ihm 1994 gegründeten Düsseldorfer Theater an der Kö, praktisch der Nachfolger der Max-II-Komödie, deren „vollkommen unsinnige“ Auflösung ihn noch heute schmerzt. „Wir waren schuldenfrei, hatten 10 000 Abonnenten“, Heinersdorff bitter. „Aber die Miete wurde auf das Doppelte erhöht – das ist der krasse Negativ-Aspekt des Kapitalismus.“

Zur Max-II-Zeit Konkurrent von Margit Bönischs Bayerischer-Hof-Komödie, ist er inzwischen bei ihr Regie- und Schauspieler-Stammgast. Kein Wunder. Das Multitalent ist auch von sympathisch offener Umgangsart. „Ja, das können Sie schreiben“, gibt er unverkrampft den Interview-Freibrief. Also: Die apart-markante Schauspielerin Tanja Schleiff (man kennt sie vom „Resi“ und den Kammerspielen) ist seit sieben Jahren seine Lebensgefährtin – und bald zum zweiten Mal Mutter. Zu seiner noch nicht von ihm geschiedenen Frau habe er dennoch ein gutes Verhältnis. Weil sie einen unentschlossenen Liebhaber hatte, wollte er diesem den dringenden Rat geben, die Sache endlich in Ordung zu bringen. Heinersdorff: „Habe ich natürlich nicht gemacht, sondern ,Sei lieb zu meiner Frau‘ geschrieben. Alle meine Stücke haben mit meiner Biografie zu tun. Man muss schreiben, was einen im Tiefsten betrifft, sonst wirkt es konstruiert.“

Ganz ohne komödiantische Überhöhung komme auch er natürlich nicht aus. Bei ihm hält sich der verheiratete Erfolgsgeschäftsmann Karl die Geliebte Sabrina. Aber dann bringt Sabrinas Ehemann Oscar (Heinersdorff) das Alphatier-Arrangement durcheinander, indem er Karl auffordert, sich doch, bitte schön, liebevoller um seine Frau Sabrina zu kümmern, sonst würde er Karls Frau Mona alles zuflüstern. Die Folge: Karls Eiertanz zwischen Familie, Business und Zweit-Sex.

Wird da ein Macho ironisch gesellschaftskritisch ausgestellt? Heinersdorff, der dem Verfertigen der Selbstanalyse beim Reden unverblümt frönt: „Ich kenne das Eiertanzen von Männern, auch von mir selber. Und habe versucht, möglichst viel von dem reinzubringen, was daran amüsant ist. Und so, dass sich Mann, aber auch Frau darin wiedererkennt... Es ist dann eher eine psychologische als eine gesellschaftliche Kritik.“

Den Karl spielt Hugo Egon Balder, der zwischen Musik, Theater und TV ähnlich vielgleisig fährt wie Heinersdorff. „Balder hat in den Anfängen der RTL-Unterhaltungsbranche, als man noch nicht durch hundert Instanzen musste, große Aufbauarbeit geleistet. Da gab es ein leeres Studio, zwei Bretter, eine nette Moderatorin und den Auftrag ,Macht mal ein Konzept dazu‘“, sagt Heinersdorff nostalgisch. Genauso möchte er arbeiten, mit ein paar Leuten, die sich zusammensetzen. „Und man schaut mal, was dann passiert. Vielleicht muss man den Text nochmal verändern oder eine neue Szene schreiben.“ Klingt ja fast wie aus der freien Szene. „Ja, genau. Man sollte den Fernsehnaturalismus, den wir eh nicht erfüllen können, eliminieren und die theatralische Fantasie des Zuschauers wieder einkalkulieren. Da ist Hugo Balder ein wunderbarer Partner.“

Premiere

am 1. Mai, 18 Uhr; Telefon 089/ 29 16 16 33.

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