Machtspielchen mit dem Papst

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Schau in Regensburg . „Wir sind Kaiser“: Die Bayerische Landesausstellung befasst sich dieses Jahr in der Donaustadt mit Ludwig dem Bayern.

von Barbara just

Mit Benedikt XVI. waren wir bereits Papst. Ab diesem Freitag aber gilt, zumindest in Bayern: „Wir sind Kaiser!“ So lautet der Titel der bis 2. November dauernden Landesausstellung in Regensburg. Heuer geht es um das Leben Ludwigs des Bayern (1282 bis 1347), wofür das Haus der Bayerischen Geschichte sowie das Bistum und die Stadt Regensburg kooperierten. In der Donaustadt, die durch Fernhandel und Finanzwesen damals in ihrer Blüte stand, hielt sich der Herrscher bis zu 40 Mal auf. Vor allem die Patrizier strotzten vor Selbstbewusstsein.

Reichlich Geld gab es auch für den Bau des Doms. BR-Moderator Christoph Süß hat darüber und über das damalige Treiben in Regensburg einen 3D-Film gedreht. Präsentiert wird er in Sankt Ulrich auf einer Leinwand, die einem geöffneten Flügelaltar nachempfunden ist. Der Kabarettist tritt selbst als Patrizier oder Bettelmönch auf, auch als Kurier des Papstes, dessen Nachricht in der Donau untergehen muss – Geschichtsunterricht mit Humor.

Schon der Chronist notierte übrigens, dass Ludwig, ein „schöner Mann mit edlem Wuchs“, leutselig und zum Scherzen durchaus aufgelegt gewesen sei. Doch: „Auf keinem Sitz, an keinem Platz hielt es ihn lang.“ Kein Wunder. Als Zweitgeborener des bayerischen Herzogs war ihm keine große Karriere in die Wiege gelegt. Die musste er sich sogar gegen den Bruder erstreiten. Der Zufall spielte Ludwig in die Hände, als die niederbayerischen Herzöge starben und er die Vormundschaft über seine minderjährigen Vettern und damit über deren Ländereien übernehmen konnte. In der Schlacht von Gammelsdorf 1313 siegte er mit seinen Leuten über die rivalisierenden Habsburger. Dabei hatte Ludwig nicht genug Geld, um sich bei seinem Heer erkenntlich zu zeigen. Es reichte gerade dafür, dass „jeder Mann ein Ei, der brave Schweppermann aber zwei bekam“.

Wie in einem Computerspiel ging es für den Machtmenschen stets ein Level höher. Die Ausstellungsarchitektur lässt den Besucher in der Minoritenkirche diesen Aufstieg mitmachen. Dazu gibt es Bilder, Schrifttafeln und Medienstationen. Unter den vielen historischen Exponaten wie Urkunden und dem böhmischen Karlstein-Schatz findet sich auch ein Eisenhut, der Vorbild für den Stahlhelm gewesen sein dürfte. 1314 schaffte es der Wittelsbacher, deutscher König zu werden. Weil sich die Kurfürsten nicht auf einen Kandidaten einigen konnten, gab es jedoch mit dem Habsburger Friedrich parallel noch einen zweiten. Für Eindeutigkeit sorgte Ludwig acht Jahre später bei Mühldorf, als er in der letzten Ritterschlacht auf europäischem Boden siegte. Für die Kaiserkrone legte sich Ludwig mit dem damals in Avignon residierenden Papst an.

Wenn der Besucher am Ende gut zehn Meter über dem Boden auf einer Plattform steht, ist auch Ludwig am Höhepunkt seiner Macht angekommen. Bevor er erneut seine Herrschaft verteidigen konnte, starb er 1347 auf der Jagd bei Fürstenfeldbruck. Seine letzte Ruhe fand er in der Münchner Frauenkirche.

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