IN DER NEUEN SAT.1-REIHE „PLÖTZLICH ARM, PLÖTZLICH REICH“ TAUSCHEN ARME UND REICHE FAMILIEN EINE WOCHE LANG IHR LEBEN

Macht Geld wirklich glücklich?

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Von Katja Kraft. Eine „arme“ und eine „reiche“ Familie tauschen für eine Woche ihr Leben.

Klingt nach einem weiteren dunklen Kapitel in der Geschichte des Reality TV. Doch das Konzept des vierteiligen Experiments „Plötzlich arm, plötzlich reich“, das heute um 20.15 Uhr auf Sat.1 startet und dann immer mittwochs zur gleichen Zeit zu sehen ist, sorgt für eine positive Überraschung und verzichtet weitgehend auf Voyeurismus.

Zugegeben, wenn in den Bauchbinden zur Beschreibung der wohlhabenden Familie Worm Dinge stehen wie „Hummer-Fans“ oder „trinkt gerne Champagner“, ist das ein bewusstes Spiel mit Klischees. Aber doch auch, weil die Mitwirkenden selbst diese Klischees leben. Allerdings nicht unangenehm prahlerisch, sondern in vielen Momenten fast schon mit etwas Scham ob ihres Reichtums.

Und so werden die gern kolportierten gesellschaftlichen Zuschreibungen der „arroganten, eingebildeten, versnobten Reichen“ und der „asozialen, faulen, ungebildeten Armen“ nicht bedient. „Darauf haben wir bei der Auswahl der Kandidaten ganz genau geachtet“, betont Claudia Forstreuter, die Produzentin der Reihe. „Es gab auch Familien, die wir abgelehnt haben. Weil sie nicht sympathisch waren. Wir wollten nicht die Superreichen, die nur noch mit dem Hubschrauber fliegen und sich auf ihrem Reichtum ausruhen. Und genauso wenig wollten wir die, die Sozialhilfe empfangen, ohne sich um einen Job zu bemühen.“

Im Gegenteil, die Sendung zeigt einmal mehr, dass in Deutschland allzu viele Menschen Vollzeit arbeiten – und das Geld am Ende doch nicht reicht, um eine Familie zu ernähren. Wie bei Altenpflegerin Nicole Bongé, die netto nur knapp 1000 Euro im Monat verdient. Mit Kindergeld und einer Aufstockung durch das Amt hat sie wöchentlich 225 Euro zur Verfügung. Die ebenfalls fünfköpfige Familie Worm verfügt wöchentlich über rund 3700 Euro für Lebensmittel, Kleidung und Freizeit.

Wie fühlt sich das für die Alleinerziehende und ihre vier Töchter wohl an, für eine Woche in der Villa der Worms im Luxus schwelgen zu dürfen – und dann wieder zurück zu müssen in die Plattenbausiedlung und die beengten Verhältnisse? „Impliziert dieser Gedanke nicht schon, dass Familien mit wenig Geld unglücklich sind?“, kontert Claudia Forstreuter. Aber klar, eben diese Überlegung, ob Geld glücklich mache, habe sie interessiert.

Um das herauszufinden, werde den Teilnehmern aber eben nicht einfach Geld in die Hand gedrückt oder welches weggenommen, sondern es ist ein Eintauchen in ein völlig anderes Leben – mit allen Vor- und Nachteilen. Und so überrascht die einhellige Meinung der Beteiligten nicht, dass sie um kein Geld der Welt auf Dauer tauschen würden. „Weil Wohlstand beispielsweise auch bedeutet, viel unterwegs sein zu müssen. Und häufig viel Verantwortung tragen zu müssen“, sagt Forstreuter.

Macht Geld glücklich? „Das nicht, aber es beruhigt“, einigen sich Familie Bongé und Familie Worm am Ende der Auftaktfolge. Letztere gewinnen bei diesem Experiment auch eine wichtige Erkenntnis: Familiärer Zusammenhalt und gemeinsam verbrachte Zeit sind unbezahlbar.

Zurück zur Übersicht: Kultur & TV

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare