Luft nach oben

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Ihnen gehören die Höhepunkte: Siglind Buchmayer und Maximilian Krummen als Papagena und Papageno. gut immling

Die Festspiele auf Gut Immling starteten mit Mozarts „Zauberflöte“ in ihre Jubiläumssaison. von tobias hell.

Was Salzburg sein „Jedermann“, ist den Opernfestspielen auf Gut Immling von jeher ihre „Zauberflöte“ – und das natürlich nicht nur, weil der Papageno über Jahrzehnte zu den Paraderollen von Intendant Ludwig Baumann zählte. Mozarts magische Märchenoper mit freimaurerischem Einschlag war es, mit der Baumann vor 20 Jahren den Grundstein für sein bis heute stetig wachsendes Festival legte, und die nun selbstverständlich auch die große Jubiläumssaison eröffnete.

Ein Märchen? Sicher, aber eines, unter dessen familienfreundlicher Oberfläche so manches heikle Thema wie Frauenfeindlichkeit oder Rassismus schlummert. Gedanken, denen auch Regisseurin Verena von Kerssenbrock in ihrer ziemlich nüchternen Inszenierung nachgehen will, dabei aber nicht jede Idee konsequent bis zum Ende denkt und vieles unterwegs versanden lässt. Wenn etwa Tamino zu den Klängen der Ouvertüre als Schiffbrüchiger im fremden Land strandet, sind die aktuellen Fernsehbilder von Flüchtlingen nicht allzu weit entfernt, doch im weiteren Verlauf des Abends spielt dies kaum noch eine Rolle.

Der Weisheitstempel Sarastros wird bei Kerssenbrock zu einer Art Elite-Internat, in dem die aufmüpfigen Schüler ihre gemeinen Späße mit den Neuankömmlingen treiben und zwischen den Aufnahmeritualen auch mal Falcos „Rock me Amadeus“ aus dem Ghettoblaster dröhnen lassen. Ein mehr als überflüssiger Gag, durch den die Wirkung des anschließenden „O Isis und Osiris“-Chores beinahe vollständig verpufft. Was umso mehr zu bedauern ist, da Dirigentin Cornelia von Kerssenbrock im Orchestergraben zumeist ein historisch informiertes, schlankes Klangideal verfolgt, durch das die jungen Sänger entspannt ans Werk gehen können.

Der Chinese Chuan Liang Wang singt einen selbstbewussten Prinzen, der nach beinahe schon zu dramatischem Beginn schnell zurück zum weichen Mozart-Ton findet. Von Anfang an die Sympathien auf seiner Seite hat – wie kaum anders zu erwarten – Maximilian Krummen, der mit noblem Bariton einen ebenso geschmeidigen wie zupackenden Papageno singt. Und während sich bei den Kollegen die phonetisch einstudierten Dialoge zuweilen doch ein wenig zäh dahinschleppen, versteht er es außerdem, seine Pointen punktgenau zu servieren. Die Szenen mit Krummen und Siglind Buchmayers quirliger Papagena zählen so zu den absoluten Höhepunkten des Abends.

Ihren Applaus mehr als redlich verdient hat sich allerdings auch Maria Kublashvili, die eine wohltuend undivenhafte Königin der Nacht singt und ihre Koloraturen souverän in den Raum schießt. Tijana Grujic als ihre Tochter Pamina kann da trotz angenehm warmer Mittellage mit ihrem in der Höhe zunehmend enger werdenden Sopran nicht immer ganz mithalten. Und am anderen Ende der Tonskala knödelt sich schließlich noch Giorgi Kirof durch den Sarastro, bei dessen mulmig dahinwabernder Diktion der Blick auf die Übertitel praktisch unerlässlich ist, möchte man der Handlung folgen.

Unterm Strich nicht weniger, aber eben auch nicht mehr als ein solider Abend. Da hat man in Immling zuletzt glanzvollere Premieren erlebt. Aber die Jubiläumssaison ist noch jung und in den kommenden Wochen warten drei weitere Neuproduktionen. Da ist Luft nach oben.

Nächste Vorstellungen

am 17., 25., 30. Juni sowie am 7., 16., 24. und 30. Juli; Telefon 08055/ 90 34 0.

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