DAS GÄRTNERPLATZTHEATER BRINGT DIE „PERLENFISCHER“ IN DIE REITHALLE

Lodernde Farben

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von maximilian maier. Der Megahit der „Perlenfischer“, das berühmte Duett zwischen Tenor und Bariton, kommt ziemlich zu Beginn, nach etwa 20 Minuten.

Was soll da noch folgen? Einiges, wie das Staatstheater am Gärtnerplatz in der Münchner Reithalle bei dieser konzertanten Premiere eindrucksvoll unter Beweis stellt. Die Musik offenbart Bezüge zur Grand Opera, was in den gewaltigen Chorszenen besonders zum Ausdruck kommt. Chor- und Extrachor des Theaters (Einstudierung: Felix Meybier) zeigen sich dabei von der besten Seite: kraftvoll, stimmschön, gestaltungsfreudig. Als wären sie begeistert, mal wieder „große Oper“ singen zu dürfen.

Die Begeisterung steckt an, woran auch das Gärtnerplatzorchester maßgeblichen Anteil hat. Von Sebastien Rouland am Pult befeuert, lodert die Partitur in allen Farben. Rouland versteckt sich nicht hinter verkopfter Klangklauberei, sondern hebt die pittoresken Momente selbstbewusst heraus, was für die konzertante Aufführung genau das Richtige ist. Dank zupackender, pulsierender Tempi verfällt er nie in lauwarmen Kitsch – die Gefahr besteht bei dieser Musik durchaus.

Die Solisten sind allesamt Ensemblemitglieder, die für ihr Haus Ehre einlegen. Lucian Krasznec (Nadir) verfügt über tenoralen Schmelz und genügend Metall in der Höhe, um in den großen Ensembleszenen mühelos durchzukommen. Die herrliche Arie „Je crois entendre encore“ singt er wirklich als Romanza, lyrisch und mit einer feinen Kopfstimmenmixtur in den höchsten Höhen. Mathias Hausmann (Zurga) entlockt seinem Bariton heldische Qualitäten. Zugleich hat er die für das französische und auch italienische Fach so wichtige Eleganz in Stimme und Phrasierung, ein ehernes, dunkel timbriertes Fundament sowie eine satte Höhe. Das macht Lust auf mehr. Jennifer O’Loughlin (Leila) geht in den dramatischen Ausbrüchen an ihre Grenzen, speziell in der Tiefe. Aber wer will mäkeln, bei so sicher gesetzten Koloraturen, einer solch beeindruckenden Höhe und fulminanten Spitzentönen, mit denen sie an diesem Abend nicht geizt?

Eine Inszenierung vermisst man in der Reithalle, wo erstmals unverstärkt musiziert wurde, überhaupt nicht. Kleine semi-szenische Aktionen verdeutlichen die Handlung. Lichtstimmungen und Videoprojektionen sorgen für die Atmosphäre.

Es wäre vielleicht auch unehrlich, wenn man das reizvoll-exotisch Unbekannte der „Perlenfischer“ kitschig und stereotyp auf die Bühne brächte, in der Realität aber das Fremde ablehnt, abschiebt, worauf der Intendant Josef E. Köpplinger in seiner kurzen Ansprache nach der Premiere zu Recht hinweist. Und das zu einem Zeitpunkt, an dem integrierte Musiker wie der Afghane Ahmad Shakib Pouya gezwungen werden, unser Land zu verlassen (wir berichteten). Trotz aller Anstrengungen, dies zu verhindern. Albert Ginthör, Geiger im Gärtnerplatzorchester, zeigt sich solidarisch. Er wird heute mit Pouya unter Lebensgefahr nach Afghanistan reisen. Es ist ja ein „sicheres Herkunftsland“.

Nächste Vorstellungen

heute sowie am 22. Januar; Telefon 089/ 21 85 19 60.

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