SATIRE

Liliputaner retten die Welt

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Schrumpf-Menschen: Matt Damon als Paul Safranek (Mi.) in dem Film „Downsizing“. Foto: Paramount Pictures/ dpa

Das Filmfest Venedig wurde gestern Abend mit Jim Taylors „Downsizing“ eröffnet

Von Aliki Nassoufis

Die Menschheit wächst und mit ihr wachsen die Probleme. Wie schön wäre da eine so simple Lösung wie im Eröffnungsfilm des Festivals Venedig: In „Downsizing“ lassen sich Stars wie Matt Damon  und Christoph Waltz auf nicht einmal 15 Zentimeter schrumpfen. Schließlich sind kleine Menschen für die Erde weniger schädlich. Das ist zumindest der Gedanke von Regisseur Alexander Payne, dem mit „Downsizing“ eine pointierte und humorvolle Satire auf die moderne Gesellschaft gelingt.

„Es geht im Film um das Bewusstsein dafür, dass wir alle im selben Boot sitzen“, sagt Damon. Der Film habe eine sehr hoffnungsvolle Botschaft, gerade in einer gespaltenen Welt. Jim Taylor, der das Drehbuch gemeinsam mit dem zweifachen Oscar-Preisträger Payne schrieb, ergänzt: „Wir interessieren uns mehr für den Humanismus als für Politik.“ In „Downsizing“ machen norwegische Forscher eine spektakuläre Entdeckung, die es ermöglicht, Lebewesen zu schrumpfen. Das wird nicht nur als wichtiger Schritt im Kampf gegen Überbevölkerung gepriesen, sondern als Lösung einer Reihe von zivilisatorischen Problemen: Kleine Menschen verbrauchen weniger Ressourcen und produzieren weniger Müll. Auch Paul (Damon) und seine Frau Audrey (Kristen Wiig) sind von der Idee fasziniert – allerdings nicht, weil sie die Umwelt schützen wollen. Wie viele andere werden sie von egoistischeren Motiven getrieben. Wer nur noch ein Haus, Kleidung und Schmuck im Mini-Format braucht, spart viel Geld und kann sich ein Luxusleben leisten.

Der Regisseur belässt es nicht bei der Beobachtung von Pauls neuem Leben. Er stellt auch Fragen: Wie kann man sich gegen geschrumpfte Terroristen und illegale Einwanderer schützen, die sich im TV-Karton ins Land einschleusen lassen? Haben kleine Menschen dasselbe Wahlrecht, obwohl sie die Wirtschaft viel weniger ankurbeln? Was als Komödie beginnt, wird angesichts solcher Fragen schnell zu einem Drama und einer Gesellschaftssatire. Bei der 74. Ausgabe des ältesten Filmfestivals der Welt setzt die Satire trotz einiger Längen und erzählerischer Schwächen einen ersten Glanzpunkt.

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