Lebensbejahung

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BR-Symphoniker mit Rattle, Herkulessaal.

Die Hochstimmung, die Robert Schumann beflügelte, als er 1850 nach Düsseldorf übersiedelte, um dort Musikdirektor zu werden, ist seiner Symphonie in Es-Dur anzuhören. Entsprechend überschwänglich und temperamentvoll gingen Simon Rattle und das BR-Symphonieorchester im ausverkauften Herkulessaal die „Rheinische“ an. Vor allem in den glänzenden Ecksätzen brach sich die Lebensbejahung Bahn, wobei Rattle im Kopfsatz dem Holz versonnene, lyrische Momente über der latenten Unruhe gönnte. Wiegend, fast tanzend kam das Scherzo in gar nicht so mäßigem Tempo daher und erschien ebenso leicht wie der dritte, vom Holz eröffnete Satz. Alles wirkte wunderbar ausbalanciert, und Rattle hob, ohne die Gesamtspannung zu opfern, Details hervor, wobei er sich auch den oft vernachlässigten, diesmal rechts außen sitzenden, zweiten Geigen zuwandte. Die Transparenz, die er förderte, tat besonders dem dichten polyphonen Gewebe des gravitätischen vierten Satzes gut, in dem das Blech choralhaft den feierlichen Ton (im Kölner Dom) unterstrich. Auch im Finalsatz, in dem die Themen noch einmal bruchstückhaft anklingen, ließ Rattle alle Instrumentengruppen zu Wort kommen, die den Glanz steigerten.

Schumanns Dritte war eine passende Vorlage für Mahlers „Lied von der Erde“, in das sich Tenor und Alt fügten. Der Dirigent und das groß besetzte, oft kammermusikalisch geforderte Orchester kosteten die Ausdrucksfülle aus, die der Komponist über Hans Bethges Gedichte aus „Die chinesische Flöte“  ausgießt. Stuart Skelton setzte dabei auf die Stahl- und Strahlkraft seines hellen, heldischen Tenors, während Magdalena Kožená mit ihrem leichten  Mezzo dem in profunder  Altlage besser aufgehobenen Mahler’schen Welt-Abschied   nachspürte. Großer Applaus und eine Umarmung Rattles für die wunderbaren Solisten an Oboe und Flöte. Gabriele Luster

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