Lebendig wie nie zuvor

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Den „Heimatsound“ gibt es jetzt auch auf CD – und im August beim Festival in Oberammergau. von katrin hildebrand.

Es ist ja nicht so, dass die Menschen hierzulande unmusikalisch wären. Die Liste bayerischer Musiker etwa reicht von den Volkssängern der Zwanzigerjahre bis zu Avantgardebands wie Amon Düül und Embryo. Dazwischen tummeln sich solch unterschiedliche Gestalten und Gruppen wie Konstantin Wecker, F.S.K., die Hardrocker Bonfire, das Elektroprojekt Zombie Nation oder die Spider Murphy Gang. Und das ist nur ein winziger, willkürlicher Ausschnitt aus einem Wust an Klängen, die sich während der vergangenen 100 Jahre im Schlager und Pop angesammelt haben.

Insofern hat der Bayerische Rundfunk mit seiner Reihe „Heimatsound“ das Rad nicht neu erfunden. Zumal die Ursprungsidee, regelmäßig Live-Auftritte von coolen Künstlern aus dem Alpenraum im Fernsehen zu übertragen, ursprünglich vom ORF aus Wien stammte. Den Österreichern aber gefiel die 2012 mit dem BR produzierte Pilotsendung nicht – und so wurde „Heimatsound“ eine bayerische Institution. In der ersten Show musizierten Keller Steff, die Global Kryner, 5/8erl in Ehr’n und Ringsgwandl. Mit dabei war auch Claudia Koreck. Die Traunsteinerin hatte 2007 mit dem Album „Fliang“ eine Renaissance des bairischen Schlagers ausgelöst und die Masse erobert. Als die Burschen von LaBrassBanda 2008 mit Urwüchsigkeit, verrückten Bläsern, HipHop, Punk und Reggae auch die Indiefans begeisterten, war der Rummel perfekt. Der moderne Alpenklang eroberte Popfestivals und Charts. Es war nur eine Frage der Zeit, bis diese Welle einen festen Platz in den Medien erhalten würde. Seit Juni 2013 widmet der BR seinem „Heimatsound“ zusätzlich eine halbe Stunde in der Woche auf Bayern 2 Radio. Dagmar Golle, Moderatorin der Sendung, ist überzeugt, dass wir es nicht mit einem vorübergehenden Hype zu tun haben. „Das Niveau der Bands wird immer höher, der Heimatsound ist dabei, sich so richtig fest zu etablieren.“ Im vergangenen Jahr rief man sogar ein Festival in Oberammergau ins Leben – im August gibt es die Neuauflage. Um die Wartezeit zu überbrücken und die Marke zu festigen, hat der BR nun seine erste „Heimatsound“-CD vorgestellt (Sony). Allein die Masse, über 40 Songs auf zwei CDs, kündet davon, dass die musikalische Bewegung so lebendig ist wie nie zuvor. Angeführt von LaBrassBanda und Koreck erklingen etwa G. Rag, Kofelgschroa, Django 3000 und Dreiviertelblut. Deren Frontmann Sebastian Horn wird ab Herbst übrigen die „Heimatsound“-TV-Show moderieren. Daneben haben die Macher Hubert von Goisern und Willy Michl Platz eingeräumt, aber auch Indiepop- und Songwriter-Phänomenen wie Phil Vetter, Ami Warning und Anajo. Sogar der HipHop ist mit Moop Mama, Ebow und Blumentopf vertreten. Mit dieser Vielfalt illustriert das Album, dass Heimatsound keineswegs auf Volksmusik gründen muss. Es ist allenfalls ein Genre mit den Alpen im Zentrum. Stephan Eicher und Sophie Hunger etwa repräsentieren die Schweiz, aus Vorarlberg kommt HMBC und aus Italien das Damentrio Ganes. BR-Expertin Golle hat ohnehin eine recht pragmatische Definition für das Genre parat: „Heimatsound ist für mich das, was wir in der Sendung spielen.“

Das Heimatsound-Festival

findet am 1. und 2. August im Passionstheater Oberammergau statt. Karten unter Telefon 089/ 54 81 81 81.

Zurück zur Übersicht: Kultur & TV

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare