Ein Leben für die Show

  • schließen
  • Weitere
    schließen

nachruf . Trauer um Moderator und Entertainer Heinz Schenk, der gestern im Alter von 89 Jahren starb.

Von Rudolf Ogiermann

Viele Entertainer von heute kommen nicht ohne Gagschreiber aus, Heinz Schenk moderierte seine Shows stets ohne die Hilfe fremder Autoren. Das Frankfurter „Schlappmaul“, dessen Conférencen stets auf größtmögliche Wirkung abzielten, dabei aber nie bösartig waren, gehörte zu den kreativsten Köpfen der deutschen Fernsehunterhaltung, seine (Lied-)Texte hatten oft literarische Qualität. Nun ist der langjährige Moderator der ARD-Sendung „Zum Blauen Bock“ und deutschlandweit wohl populärste Botschafter Frankfurter und (süd-)hessischer Lebensart für immer verstummt. Heinz Schenk starb gestern im Alter von 89 Jahren in seinem Haus in Wiesbaden.

„Es war ein friedlicher Tod, er ist einfach eingeschlafen“, sagte sein langjähriger Manager Horst Klemmer. Vor knapp einer Woche habe Schenk einen Schlaganfall erlitten und seither im Koma gelegen. Schenk werde in den kommenden Tagen im engsten Freundeskreis beigesetzt. Er finde seine letzte Ruhe in einem Grab neben seiner Frau. Gerti Schenk war im vergangenen Dezember im Alter von 85 Jahren gestorben. Das Paar war 62 Jahre lang verheiratet.

Der Frankfurter par excellence, als den ihn sein Publikum kannte und liebte, war in Wirklichkeit gebürtiger Mainzer – und fühlte sich schon als Kind zum Unterhalter berufen, als er – so jedenfalls wurde kolportiert – im Dom seiner Heimatstadt einen Beichtstuhl zum Kasperletheater umfunktionierte. Nach Krieg, Kaufmannslehre und parallel absolvierter Schauspielausbildung begann Schenk zunächst als Kabarettist und Parodist auf kleinen Bühnen. Im Jahr 1951 kam er zum Hessischen Rundfunk (HR), wo er mit der Radiosendung „Frankfurter Wecker“ für gute Laune sorgte.

Über die Grenzen Hessens hinaus bekannt wurde Schenk jedoch durch die Show „Zum Blauen Bock“, die er im Jahr 1966 von Otto Höpfner übernahm und bis 1987 präsentierte, zunächst im Nachmittagsprogramm, später als Samstagabendshow. Der Gastgeber sang und plauderte mit Prominenten, schlüpfte in Sketchen in verschiedene Rollen, am Ende gab es für jeden Gast einen „Bembel“, den charakteristischen Apfelweinkrug. Ähnlich wie später der „Musikantenstadl“ wurde der „Blaue Bock“ in verschiedenen Städten produziert, mit dabei stets „Frau Wirtin“ Lia Wöhr und Oberkellner Regnault Nonsens.

Während vor allem junge Zuschauer die Sendung als banal und bieder ablehnten, war sie für die Älteren ein Pflichttermin, ebenso für die Gäste aus dem Showbusiness, bot sie doch die Gelegenheit, sich dem Publikum von einer ganz anderen Seite zu zeigen. Die Quoten waren – in Zeiten noch ohne private Konkurrenz – stets hoch, bis zum Schluss wurden regelmäßig bis zu 20 Millionen Zuschauer erreicht.

Auch außerhalb des „Blauen Bock“ war Schenk als Sänger und Textdichter erfolgreich. Als sein größter Hit gilt der im Jahr 1978 entstandene Titel „Es ist alles nur geliehen“, der es sogar in die ZDF-„Hitparade“ schaffte. Seine Leidenschaft für die Schauspielerei lebte der Paradehesse auf der Theaterbühne aus. So trat er in mehreren Produktionen des Volkstheaters Frankfurt auf, unter anderen mit Liesel Christ, außerdem als Alfred P. Doolittle im Musical „My Fair Lady“ und in der hessischen Adaption von Molières „Der Geizige“, in der er die Titelrolle spielte.

Sein Image als die Bühne beherrschender Entertainer wusste Schenk auch ironisch zu brechen. In Hape Kerkelings Kinosatire „Kein Pardon“ aus dem Jahr 1992 spielte er einen populären Showmaster namens Heinz Wäscher, der, wenn die Scheinwerfer aus sind, sein wahres Ich offenbart. Im Kino war „Kein Pardon“ mit rund einer halben Million Zuchauer nur mäßig erfolgreich, inzwischen gilt er – nicht zuletzt wegen Schenk und wegen seines Hits „Witzischkeit kennt keine Grenzen“ – als Kultfilm.

„Es war ein Leben für die Show“, resümierte Manager Klemmer über Schenk. „Wir hatten nie einen Vertrag“, sagte er. Man habe die Zusammenarbeit seinerzeit per Handschlag begründet: „Und daraus ist eine enge Partnerschaft und eine lebenslange Freundschaft geworden.“

Schenk hinterlässt nach den Worten seines Managers ein Millionenvermögen. Aus diesem werde nun eine Stiftung für Unterhaltungskünstler finanziert. Sie werde das Ziel haben, junge Musiker und andere Bühnenkünstler beim Karrierestart finanziell zu unterstützen.

(mit Material von dpa)

Zurück zur Übersicht: Kultur & TV

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare