STEFAN HUNSTEIN, SCHAUSPIELER UND BILDENDER KÜNSTLER, HAT SICH UM DIE INTENDANZ DER MÜNCHNER KAMMERSPIELE BEWORBEN

Das Lagerdenken überwinden

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Stefan Hunstein, den die Münchner sehr gut kennen – und der sie sehr gut kennt. F: Klaus Haag

Von Simone Dattenberger und Sascha Karowski. In der Münchner Theaterszene rumort es: im Augenblick laut, weil nun klar ist, dass Kammerspiele-Intendant Matthias Lilienthal seinen Vertrag nicht verlängert.

Mit der Saison 2019/20 ist für ihn Schluss. Vorher rumorte es weniger laut, weil viele Menschen bereits still verzweifelt waren wegen des Verfalls des Schauspielhaus-Niveaus. Angeblich Modernes, Experimentelles, das aber längst abgestanden war, trieb die Zuschauer aus dem Haus. Selbst die Jugend konnte durch billige Karten nicht mehr in genügend hoher Zahl angelockt werden.

Schön ist, dass es jetzt eine lebhafte Diskussion gibt und man auf diese Weise merkt, wie kunstbegeistert die Münchner und Oberbayern sind. Natürlich ist die Nachfolgefrage eine der spannendsten. Es muss eine Persönlichkeit gefunden werden, die die Bühne in eine lebendige Zukunft führt. Sie muss aber auch eine quasi ideologische Last abtragen. Es sind nämlich zwei Lager entstanden, die jeweils die andere Gruppe im Unrecht sehen. Dieses Lagerdenken betrifft das Publikum Gott sei Dank nicht. Einige momentan enttäuschte Rathauspolitiker, Mitarbeiter des Kulturreferats und Schauspieler werden sicher schnell spüren, dass eigentlich alle gemeinsam ein faszinierendes Theatererlebnis ersehnen.

So eine verbindende Persönlichkeit könnte, wie berichtet, der bildende Künstler und Schauspieler Stefan Hunstein (Jahrgang 1957) sein. Keiner kann ihm vorwerfen, dass er verzopft wäre, und jeder weiß, dass er für beste und vor allem tief humane Qualität in der Schauspielkunst steht. Außerdem kennt er München gut. Seit 27 Jahren lebt er hier, 26 Jahre davon als Schauspieler an den Kammerspielen und am Staatsschauspiel. Kein Wunder, dass auch der Stadtrat auf ihn aufmerksam geworden ist – zumal der Künstler engagiert und offen auf ihn zugegangen ist.

Stefan Hunstein hat sich Informationen unserer Zeitung zufolge also offiziell um die Nachfolge von Matthias Lilienthal als Intendant der Münchner Kammerspiele beworben. Das Schreiben ist allerdings bereits vor dem angekündigten Rückzug Lilienthals im Kulturreferat eingegangen. Ein Zusammenhang sei daher ausgeschlossen, heißt es jetzt aus Kreisen des Referates. Zudem sei die Bewerbung von Hunstein auch nicht die einzige, die man empfangen habe. Kolportiert wird, dass Hunstein überredet worden sei, sich zu bewerben.

Richard Quaas, kulturpolitischer Sprecher der Münchner CSU: „Ich könnte mir Stefan Hunstein gut vorstellen. Erst mal schätze ich ihn sehr als Schauspieler. Und er ist jemand, der die Kammerspiele gut kennt. Und zum zweiten ist er ein universeller Künstler, der weit über den Horizont des Theaters hinaus schauen kann.“ Julia Schönfeld-Knor, stellvertretende Sprecherin der SPD im Kulturausschuss, will die Personalie nicht weiter kommentieren. Bewerbungen seien grundsätzlich in Ordnung.  „Aber  das ist alles zu frisch. Lilienthal wird die zwei Spielzeiten noch zu Ende machen, und wir werden zu gegebener Zeit über eine Nachfolge entscheiden.“

Die Grünen hatten jüngst für die nächste Sitzung des Kulturausschusses eine Aufarbeitung der Vorfälle beantragt. Fraktions-Chef Florian Roth: „Es geht um die Grundsatzfrage. Bedeutet ein personeller Wechsel nun auch einen Kurswechsel? Oder halten wir weiter an einem progressiven, innovationsfreundlichen Kurs fest? Da weiß ich, was die CSU will und was wir wollen. Aber nicht, was die SPD will. Und erst, wenn wir diese Frage beantwortet haben, können wir über Personal sprechen.“

Stefan Hunstein selbst möchte im Gespräch mit unserer Zeitung noch nichts über seine Ideen und Pläne sagen. Ihm ist es wichtig, als Allererstes mit den Verantwortlichen, vor allem mit Kulturreferent Hans-Georg Küppers, zu sprechen, um allen seine Vorstellungen zu vermitteln. Er sieht allerdings mit Sorge „die aufgewühlte Situation“ und die Gefahr für sich selbst, in eines der Lager gedrängt zu werden. Allerdings steht eines für ihn fest: „Das Theater muss voll sein!“ In München gebe es so viel Neugier auf die Bühnenkünste, betont Hunstein.

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