Lässig in Lederhosen

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Rollentausch: Statt Markus Lanz (l.) eröffnete Andreas Gabalier in Graz die vorletzte „Wetten, dass...?“-Ausgabe. Während der Moderator Tracht trug, erschien der Volksmusiker im grauen Anzug. Fotos: Babirad, ZDF

„Wetten, dass. ..?“ .

In der vorletzten Ausgabe wirkte Markus Lanz entspannt wie lange nicht mehr

Von Rudolf Ogiermann

Es war ein Auftakt wie ein Augenzwinkern. Publikumsliebling Andreas Gabalier eröffnete musikalisch die Show in Graz, Markus Lanz fungierte – buchstäblich – nur als Begleiter. Die „Wetten, dass...?-Ära geht zu Ende, der Druck ist weg, da kann man mit dem Ablauf ein wenig spielen – sollte das wohl heißen (auch wenn es ein solches Intro schon einmal gab, mit Robbie Williams in der zweiten Lanz-Ausgabe vor zwei Jahren).

Vor allem der Gastgeber wirkte einigermaßen entspannt am Samstagabend, vielleicht lag’s ja (auch) an seinem Outfit. Der 45-Jährige schien sich wohl zu fühlen in Lederhose und Samtweste – kein nervöses Zupfen an den Manschetten wie sonst. Lanz schien über weite Strecken dieses Abends zurückgekehrt zu sein zum sanft Anarchischen seiner ersten Sendungen, was sich schon daran zeigte, dass er genüsslich allein durch die wiederholte Nennung des Bandnamens One Direction für hysterisches Kreischen bei den jugendlichen Fans in der Halle sorgte.

Der Sender scheint ängstlicher zu sein als sein Moderator, fast schien es, als habe man es in Mainz aufgegeben, sich um außergewöhnliche Gäste zu bemühen, nachdem es in den USA Mode geworden ist, sich im Anschluss an einen Besuch über die Traditionsshow lustig zu machen. Immerhin war Hugh Grant da, warum man jedoch die stets wie Fremdkörper wirkenden, faden Jungstars aus Hollywood einladen muss, bleibt das Geheimnis der Macher. Das Gespräch mit Jennifer Lawrence und Liam Hemsworth über Geschwister und Geschlechtskrankheiten verlief prompt hart an der Grenze zur Peinlichkeit. Ansonsten machte Lanz (fast) keinen Fehler, verteilte (was sonst?) viele Komplimente, fand den richtigen Ton im Talk mit Conchita Wurst, ließ „Humor-hilft-Heilen“-Doktor Eckart von Hirschhausen mehr als einmal zu Wort kommen. Und um Iris Berben und Herbert Grönemeyer muss man sich sowieso keine Sorgen machen, sie kennen die Show mittlerweile wahrlich in- und auswendig.

Auch bei den Wetteinsätzen der Promis behielt der Moderator den Überblick (was nicht immer so war) – und „rächte“ Hugh Grant, dem Andreas Gabalier am liebsten eine ganze Schüssel Kren verabreicht hätte, indem er dem Sänger selbst eine Portion davon in den Mund schob. „Kein ,Wetten, dass...?‘ohne Baggerwette“ – noch so ein Satz, der viel über Lanz’ ironische Distanz zu seinem Tun sagt. Die Baggerwette war in der Tat spektakulär, auch sonst hatte das ZDF wieder Wettkandidaten mit beeindruckenden Talenten gefunden. Die Wetten – sie bleiben bis zum Schluss das Herz der Show und sorgten auch am Samstag für besonders spannende Momente.

Erneut blieb die Show unter der Marke von sechs Millionen Zuschauern, immerhin ist das Interesse nicht noch weiter gesunken. Das ZDF kann sich damit trösten, dass keine der Konkurrenzveranstaltungen den einstigen Straßenfeger überflügelte. Am 13. Dezember ist das Finale, man möchte Markus Lanz fast wünschen, dass er am Ende noch einmal eine Quote erzielt, die ihm einen Abgang mit erhobenem Haupt ermöglicht.

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