Lachen mit der Loge

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Im Münchner Künstlerhaus zeigt eine Karikaturenausstellung, wie komisch die Freimaurerei sein kann. von katrin hildebrand.

Verschwiegen sind sie ja schon. Aber ganz ohne öffentliche Notiz halten es die Freimaurer auch nicht aus. Viele Logen unterhalten heute Webseiten, betreiben Pressearbeit. Welch Mummenschanz und Ritual sich jedoch im intimen Kreis des Tempels abspielt, verraten sie nicht. Diese Geheimniskrämerei hat Außenstehenden nicht nur famose Verschwörungstheorien beschert, sondern nun auch eine Ausstellung, die sich über das Wirken des Bundes amüsiert.

Die Schau „Freimaurerei in der Karikatur“ wurde von einem Freimaurer kuratiert. Michael Rother ist Vorstandsmitglied des Wilhelm-Busch-Museums in Hannover und sagt: „Freimaurerei ist an sich nicht komisch. Grundsätzlich kann sich aber ein Cartoon über alles im Leben lustig machen.“ So bestellte er im Auftrag des freimaurerischen Künstlervereins Pegasus bei 41 Karikaturisten Bilder über die sogenannte Königliche Kunst. Erstmals war ein Teil der Werke 2012 in Hamburg zu sehen. Nun, anlässlich des 90. Jubiläums der Münchner Freimaurerloge Lessing zum flammenden Stern, hängen 60 davon im Künstlerhaus – und verbreiten eine ungewohnt heitere, ja im besten Sinne banale Atmosphäre.

Banal schon deswegen, weil da keine Schinken an den Wänden der Clubräume protzen, sondern drei Einmachgläser von Gerd Sendelbach mit handgebastelten Figuren sowie zahlreiche Tuschezeichnungen und Aquarelle (meist Nachdrucke), wie sie in Zeitschriften zu finden sind: mal knallig, mal krakelig, dann wieder schlicht und fast kindlich komisch. Ausnahme ist ein Poster von Lovis Corinths Ölgemälde „Die Logenbrüder“ von 1898. Dieses hängt dort als historische Referenz – und obwohl es weder ein Cartoon ist noch zum Kern der Ausstellung gehört, birgt es in den Mienen seiner Figuren, diesem Typenkabinett befrackter Männer, eine hauchzarte Komik. Die Herren in Schwarz mit steifem Hut und Gehrock finden wir fortan überall. Der Bielefelder Künstler Cornelius Rinne lässt sie als Kuriositätenkabinett einem Pinguin hinterher dackeln. Comicbuchautor Klaus Puth verpasst ihnen Kopfbedeckungen, die ins Unendliche reichen. Allein die äußere Form der Freimaurer, zurückhaltend und doch bedeutungsschwanger bis zum Bersten, ist hier Satire.

Wer die Schau besucht, sollte zuvor die Symbole der Freimaurer noch mal studieren – sonst versteht er nur die Hälfte. Winkelmaß und Zirkel, Kelle, Hammer, Senkblei, Kette, der Maurerschurz, das Auge der Vorsehung, der flammende Stern: Alles, was der Bund freimütig aus verschiedenen Religionen und Mystizismen übernommen hat, taucht in den Arbeiten auf. Mal hochambitioniert wie bei Erik Liebermann, dessen musivisches Pflaster uns in M. C. Escher’scher Manier die Sinne verwirbelt. Mal schlicht wie bei Heinrich A. Popp: Hier darf der Logenbruder seinen Schurz beim Abspülen tragen.

Einen anderen Blick auf die Freimaurerei werfen die Frauen, die zwar nicht omnipräsent, aber doch in beachtlicher Zahl vertreten sind. Sie schmuggeln ihre Geschlechtsgenossinnen konstruktiv in den verschworenen Männerbund hinein. Kanadierin Christine Ribic dichtet den Herren einen sympathisch-prolligen weiblichen Gründungsmythos an, während die Münchnerin Gertraud Funke den kubischen Stein, Symbol für die beständige Arbeit an sich selbst, in einen Frauentorso verwandelt, große Brüste inklusive. Wie war das noch mal? Freimaurerei an sich ist nicht komisch? Ist sie doch. Fast alles, was der Mensch tut, besitzt im Kern ein satirisches Potenzial. Vor allem wenn er sich dabei so ungeheuer ernst nimmt.

Bis 6. Juni

im Künstlerhaus,

Lenbachplatz 8;

Telefon 089/ 599 18 414.

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