Kunstvoll

  • schließen
  • Weitere
    schließen

BR-Chor, Herz-Jesu-Kirche.

Wer hätte nicht gerne ein eigenes Werk Johann Sebastian Bachs für seine Beerdigung? Das barocke Leipziger Bürgertum konnte sich diesen Wunsch erfüllen: Wer solvent war, beauftragte den Thomaskantor mit Musik fürs eigene „Leichbegängnüß“. Vier der so entstandenen Motetten standen auf dem Programm des Konzerts, mit dem Howard Arman und sein Chor des Bayerischen Rundfunks am Freitag die Herz-Jesu-Kirche füllte. Die puristische Eleganz des modernen Baus ist wie gemacht für die Klarheit dieser Musik, der die sakrale Akustik ebenso einkomponiert ist wie die Architektur: links und rechts des Altars üben zwei vierstimmige Chöre eine frühe Form der Stereophonie.

Mit hin- und hergeworfenen Rufen „Komm, Jesu, komm“ eröffnet der Doppelchor den Abend. Beschwingt und unsentimental arbeitet Arman zentrale Passagen heraus, herausragend intonieren seine Sänger die kunstvolle Vokalpolyphonie. Zum Höhepunkt wird die Doppelfuge der in freundlichem Moll gehaltenen Motette „Fürchte dich nicht, ich bin bei dir“. „Jesu, meine Freude“ wird zur monumentalen Predigt, während „Singet dem Herrn ein neues Lied“ die Doppelchörigkeit abermals kunstvoll inszeniert.

„Bach pur“ also, und doch war der Abend nicht nur für Puristen. Die Musik ist von polyphoner Kunstfertigkeit, das gilt selbst für Solowerke wie die Suite für Violoncello in c-Moll, mit der Maximilian Hornung einen instrumentalen Kontrapunkt setzte: Nackt könnten die Töne ohne schützendes Beiwerk einer Begleitung wirken, doch der Cellist spielte mit der Akustik und ließ die Klänge vom Hall der Kirche in die Höhe tragen, wo sie sich kunstvoll verzweigten. anna schürmer

Zurück zur Übersicht: Kultur & TV

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare