Konflikte wie im Märchen

KONZERTKRITIKEN  . Münch.

Kammerorchester,

Prinzregententheater

Auf den ersten Blick haben die Werke des Luxemburgers Georges Lentz (geboren 1965) und des Dänen Hans Abrahamsen (geboren 1952) nichts mit Beethoven gemeinsam. Das Münchener Kammerorchester unter Alexander Liebreich wagte im Prinzregententheater trotzdem diese Kombination – und zeigte ungeahnte Parallelen auf.

Im Zentrum von Lentz’ „Caeli enarrant...III“ steht die Vision des Kosmos als Inbegriff Gottes. Dafür bedient sich der in Sydney lebende Komponist Schalmei-artiger Klänge und eines Knabensoprans (Anton von Jagow), der sich nahtlos in die von glitzernden Xylophonklängen durchbrochenen Tonreihen der Streicher einfügt. Ganz anders geht Abrahahmsen mit Mystik um. Seine 1984 entstandenen „Märchenbilder“ paaren groteske Pizzikati, mit kleinsten Figuren und weichen Liegetönen. So entsteht ein sphärisches Szenario aus einzelnen, an sich einfachen Begebenheiten, die sich zu einem Ganzen von höchster Komplexität zusammenfügen.

Mit den Hörgewohnheiten seiner Zeitgenossen kokettierte auch Beethoven gern. Das Menuett der achten Symphonie, dessen schwerfällige Altertümlichkeit das Orchester voll auskostete, ist eine versteckte Kritik an der verstaubten Hofgesellschaft. Beethovens erstes Klavierkonzert klang unter den Fingern des finnischen Pianisten Olli Mustonen anders als gewohnt. Der zeigte eine stupende Perfektion. In atemberaubender Geschwindigkeit kam ihm nicht ein falscher Ton zwischen die Finger. Aber alles klang gleich, das so verträumte Largo war abgehackt. Über ein beeindruckendes Stakkato und einen reichlich affektierten Gestus kam Mustonen nicht hinaus. Die Musik blieb dabei auf der Strecke. Und was haben all diese Werke nun gemeinsam? Universelle Konflikte, dargestellt so griffig und einfach wie in Märchen und Volkserzählungen. anita svach

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