„Kloana Bua“ in Niederbayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Kellner bleibt Kellner und Qualität bleibt Qualität. fkn

„Zeitmaschin’“-Tour: Heute kommt das neue Soloalbum von Mathias Kellner heraus . Von Jörg Heinrich.

Wer seine Songs „Bushäusl“ und „Soulstampfa“ nennt – der hat beim bayerischen Musikfan eh schon gewonnen. Aber bei Mathias Kellner stimmen nicht nur die Titel, sondern auch der Rest. Der umtriebige Singer-Songschreiber aus Münster bei Straubing, den es längst nach Regensburg verschlagen hat, serviert heute sein bereits sechstes Studioalbum seit 2009, und seine zweite Soloplatte auf Bairisch. „Zeitmaschin’“ heißt die „Plattn“ (O-Ton Kellner), mit der der 30-Jährige zurück in seine Kindheit nach Niederbayern reist, als man sich noch auf eine Leberkas-Semmel im Bushäusl getroffen hat, und nicht auf einen Chat bei WhatsApp.

Nach vier fantastischen Alben auf Englisch, auf denen Kellner mit breitem Ami-Slang auf den Spuren von Tom Petty, Neil Young und den Counting Crows unterwegs war, die aber leider zu wenig Leute hören wollten, singt der junge Papa seit 2013 so, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Also in erdigem Bairisch, weit weg vom glattgebügelten „Dahoam is dahoam“-Dialekt mancher Kollegen und Kolleginnen, die man am besten auch noch in Husum und Dinslaken verstehen soll. „Zipfe, kriag di ei!“, raunzt er im Auftaktsong „Kloana Bua“ – dickes Lob an seine Schwabinger Plattenfirma Alpinrecords, die den Kellner Kellner sein lässt, derb und gewichtig, und ihn nicht fürs Bügelradio verbiegt.

Dass er nicht mehr Englisch singt, kann man durchaus bedauern. Kellner-Juwelen wie „Murder of Crows“, „Fair“ oder das gespenstische „Holy Man“, das dem späten Johnny Cash der „American Recordings“ gefallen hätte, waren den US-Vorbildern durchaus gewachsen. Internationaler Rock vom Feinsten, und das aus Niederbayern und der Oberpfalz – alle vier Alben sind ein dicker Kauftipp! Genau wie „Hädidadiwari“, Kellners erste Plattn auf Bairisch aus dem Jahr 2013.

In seiner Muttersprache orientiert sich Mathias Kellner nicht mehr an den großen Namen aus Amerika, sondern hat jede Menge Dialektsänger zur Konkurrenz. Aber natürlich ist der Kerl viel zu talentiert, um nicht auch auf Bairisch aus der Masse herauszustechen. „Zeitmaschin’“ ist ein wunderbar entspanntes Album, das meist luftig, leicht und folkig klingt. Ois handgemacht im Studio in Sinzing, gleich bei Regensburg.

In die Texte könnte man sich reinsetzen – sie sind mal poetisch, mal lustig, mal traurig. Etwa, wenn „Nix mehr do“ desillusioniert endet: „Valassn, vagessn, vanebelt, valorn, besessn, beschissn, benutzt und aloa.“ Kabarettistin Martina Schwarzmann, die der Kellner-Musik schon lange verfallen ist, hat ihm einen hinreißenden Text über eine Raupe geschrieben („Der seidne Fadn“), die am Baum hängt, und vor sich hin philosophiert: „Wenn a Blattl moi gelb is, werd’s nie wieder grea. Aus mir werd wenigstens a Schmetterling.“ Ob auf Englisch oder Bairisch – Kellner bleibt Kellner, Qualität bleibt Qualität. Es wird ganz dringend Zeit, dass die Menschen mehr Kellner-Musik hören.

Mathias Kellner:

„Zeitmaschin’“ (Alpinrecords/Sony Music).

Mathias Kellner stellt sein Album am Samstag, 20 Uhr, im Münchner Lustspielhaus vor. Telefon 089/ 34 49 74.

Zurück zur Übersicht: Kultur & TV

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare