Klarer Auftrag: Weitermachen wie bisher

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Zeigt nun auch im ZDF Zähne: Jan Böhmermann. zdf

Jan Böhmermanns „Neo Magazin“ läuft von jetzt an auch als „Neo Magazin Royale“ immer freitags im ZDF. Vergangenes Jahr hat Jan Böhmermann (33) für sein „Neo Magazin“ den Grimme-Preis bekommen.

Nun belohnt das ZDF die Show mit dem Aufstieg ins Hauptprogramm: Die Erstausstrahlung des Satiremagazins läuft weiterhin donnerstags bei Neo (22.20 Uhr), aber das „Zweite“ wiederholt die Sendung freitags um 0 Uhr.

-Endlich sind Sie mit dem „Neo Magazin“ im ZDF.

Es ist unser Ziel, eine gute Sendung abzuliefern – dass wir das auf einem prominenteren Programmrandplatz tun können, ist natürlich toll. Allerdings bekommen jetzt auch mehr Leute mit, wenn uns mal eine Ausgabe missglückt, der Druck ist also etwas gestiegen.

-Andererseits zeigt das ZDF die Sendung um 0 Uhr, das ist doch auch nicht viel besser als in der Neo-Nische.

Ein paar Menschen, die uns vorher nicht kannten, werden wir trotzdem erreichen. Wir sind jedenfalls dankbar und verstehen die „Beförderung“ als Auftrag, so weiterzumachen wie bisher. Für ZDF-Verhältnisse ist das, was wir machen, doch „weird stuff“ („schräges Zeug“, Red.), der völlig aus dem Rahmen fällt. Aber ich finde das cool; das Spektrum des ZDF reicht nun von Helene Fischer bis zu uns, so was hat kein anderer deutscher Sender zu bieten.

-Die Sendung heißt nun „Neo Magazin Royale“. Können Sie mehr Geld ausgeben?

Die Bedingungen haben sich verbessert. Wir haben vier Jahre Selbstausbeutung betrieben, jetzt können wir unser Pensum von 80 auf 70 Wochenstunden reduzieren.

-Macht es nicht auch den Charme der Sendung aus, dass sie nach Handarbeit aussieht?

Das bleibt ja auch so. Letztlich ändert sich nur die Größe des Studios. Wir können jetzt eine Band auftreten lassen, ohne dass wir die Kameras abbauen und die Zuschauer nach draußen in die Kälte schicken müssen, weil der Platz sonst nicht reicht. Deshalb haben wir Dendemann und die Freien Radikalen als Studioband engagiert. Und im Studio können wir jetzt knapp 200 Zuschauer begrüßen, das ist ein Drittel mehr als bisher.

-Im Spartenkanal Neo hatten Sie vermutlich Narrenfreiheit. Wird Ihnen jetzt genauer auf die Finger geschaut?

Es war auch bisher nicht so, dass wir die Sendung unmittelbar vor der Ausstrahlung abgeliefert haben und vorher niemand wusste, was wir da treiben. Wir sind im ständigen Austausch mit der Redaktion. Natürlich gibt es immer wieder Diskussionen, und ich bin auch ganz froh, dass mein persönlicher Furor ein bisschen gefiltert wird. Aber die Zusammenarbeit ist sehr vertrauensvoll und entspannt. Wir haben bislang immer einen Weg gefunden, mit dem alle Beteiligten gut leben konnten.

-Sie sind 2014 mit Joachim Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf in einer Kategorie mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet worden. Gibt es noch mehr Gemeinsamkeiten?

Sehr viele sogar, übrigens auch mit Silbereisen, der gehört ja zur selben Generation. Wir haben zwar unterschiedliche Ansätze, aber wir haben alle großen Respekt vor dem Fernsehen und unserem Publikum. In unserem Alter gibt es ja nicht viele, die zu diesem Medium wollen; die meisten sind eher auf einen eigenen YouTube-Kanal aus. Uns eint das Wissen, dass es nur eine Möglichkeit gibt, im Fernsehen zu bestehen: Man muss sich Mühe geben.

-Ärgert es Sie nicht, dass die anderen mehr Zuschauer haben und mehr Geld verdienen?

Nein, weil für mich andere Dinge entscheidend sind. Ich bin gelernter Journalist, und das gilt auch für viele der Menschen hinter den Kulissen von „Neo Magazin“, deshalb haben wir ganz andere Ansprüche. Wir wollen das Zeitgeschehen für die Zuschauer komödiantisch aufbereiten. Was wir machen, ist im weitesten Sinne Kabarett, bei dem wir aber großen Wert auf Optik und Style legen, weil viele von uns den Ehrgeiz haben, dass unsere Sendung richtig gut aussieht. Ich übrigens auch.

Das Gespräch führte

Tilmann P. Gangloff.

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