Klare Worte zu ernsten Themen

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Flagge gezeigt: Hans-Peter Betz alias „Guddi“ Gutenberg bei der Probe zu „Mainz bleibt Mainz“. Die Live-Sendung läuft heute Abend ab 20.15 Uhr im Ersten. Foto: dpa

Fastnacht im Fernsehen . „Mainz bleibt Mainz“ nimmt heute Abend Stellung zu Terror und Pressefreiheit – Nachruf auf Jürgen Dietz.

Von Jonas-Erik Schmidt

Tod und Terror gehören eigentlich nicht in einen Saal, in dem sich Menschen schunkelnd in den Armen liegen. Aber heuer geht es nicht anders. Die Büttenredner von „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“, der 40 Jahre alten Mutter aller Fernsehfastnachtssitzungen, haben seit jeher das Selbstverständnis, auch ernsten Themen nicht aus dem Weg zu gehen – im Jahr 2015 sind sie aus gegebenem Anlass besonders engagiert.

Und so formuliert Hans-Peter Betz in seiner Rolle als Johannes „Guddi“ Gutenberg einen Satz über islamistische Terroristen: „Sprengen sich selbst in die Luft und meinen, sie kämen deswegen ins Paradies. Ich glaube nicht, dass sich Allah die Zeit nimmt, um solche Arschlöcher noch mal zusammenzusetzen.“ Anschließend steigt er auf seinen Sockel und hält das Schild „Je suis Charlie“ in die Höhe – das Zeichen der Solidarität mit den Opfern der Terroranschläge von Paris.

Zu sehen ist das heute um 20.15 Uhr im Ersten – für den Abend geprobt wurde schon zwei Tage vorher. Gleich zwei schwere Brocken schwebten in den letzten Tagen über dem Klassiker. Wie werden die Büttenredner mit den Anschlägen umgehen? Und wie mit dem Tod ihres beliebten „Boten vom Bundestag“, Jürgen Dietz, der am vergangenen Samstag im Alter von 73 Jahren gestorben war? Die Redner finden darauf recht unterschiedliche Antworten.

Nicht alle wählen so klare Worte wie „Guddi“ Gutenberg. Aber fast alle politischen Redner haben Zeilen zu Terror und Pressefreiheit im Programm. So wie Friedrich Hofmann alias „Till“: „Wenn auch Satire messerscharf,/ aus meiner Sicht nicht alles darf./ Denn auch der Narr darf nicht drauf setzen,/ Gefühle anderer zu verletzen.“ Kabarettist Lars Reichow denkt ähnlich: „Ich finde, wir sollten niemanden beleidigen. Wenn die Satire alles darf, dann kann sie sich auch mal zurückhalten.“

Den Abschied vom „Boten vom Bundestag“ übernimmt Sitzungspräsident Andreas Schmitt als „Obermessdiener“ mit gewohnt voluminöser Stimme – die bei diesem Part aber hörbar angeschlagen wirkt. „Für einen Fastnachter aus dieser Stadt,/ der wohl jetzt seinen größten Auftritt hat./ Weil er als Bote vom Bundestag gezielt,/ nun oben auf der großen Bühne spielt!“, ruft er in den Saal. Der singt danach „Wir leben im Schatten des Doms, und Gott Jokus singt mit uns ein Halleluja“ – eine emotionale Mischung aus Herz und Traditionsbewusstsein, keine Trauerzeremonie.

Wer glaubt, dass die beiden eher ernsten Themen den Witz vollständig verdrängen, irrt allerdings. In der Politik bekommen es alle ab. Ursula von der Leyen mit ihrer Bundeswehr beispielsweise („Das Material ist völlig veraltet. In einigen Soldatenspinden hängen noch Pin Ups von Zarah Leander und Eva Braun.“), oder die Griechen („Wo ein Grieche ist, da ist auch ein Kredit.“).

Und natürlich schimmert auch immer wieder der recht männlich-konservative Ansatz durch, der viele Menschen an Fastnachtssitzungen entweder abschreckt oder fasziniert. Scherze über Frauen beim Einparken und Veganer sind Dauerläufer des Abends. Umso besser, dass die Planer zwei frischen Kräften den Schlusstusch vor dem Finale überlassen – Martin Heininger und Christian Schier.

Am Freitagabend soll sich nicht mehr viel am Ablauf ändern. Die Redner werden ihre Texte ein wenig nachjustieren. So wie wohl Lars Reichow. Als einer seiner Gags nicht zündet, fragt er ganz offen: „Den lass’ ich am Freitag mal weg, oder?“. Und rettet die Pointe.

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