Kladde und Klampfe

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Berlin und München, Stadt und Land(-flucht), Kleinfamilie und Dichterklause – da kommt einer herum, in Deutschland wie im Innenleben des Menschen. Und notiert fleißig die Beobachtungen, die er auf seinen Reisen macht. Das tun viele andere auch, doch nicht alle können das Erlebte in so schöne, scharfe, witzige Worte fassen wie Nils Heinrich. Mit „Ach komm!“ gastiert der Wahl-Berliner nun in der Münchner Lach- und Schießgesellschaft.

Kein Anzug, keine lustige Frisur lenkt vom Inhalt ab, Heinrich könnte als engagierter Lehrer durchgehen, der alle Tricks beherrscht, seine Schüler zu motivieren. Man merkt, dass der 44-Jährige von der Lesebühne kommt, der regelmäßige Griff zum (Notiz-)Buch ist Teil des Programms. Im ausformulierten Text entfaltet sich seine Fabulierkunst aufs Allerfeinste, dann führt der Kabarettist sein Auditorium in die angeknackste Psyche junger Eltern angesichts eines „quiekenden Leberkäses“, der „aus Milch Scheiße macht“. Zukunftsängste, Projektionen, Mütter und Väter – alles nicht neu, doch in Heinrichs Interpretation taufrisch. Doch, wie gesagt, der Mann geht auch auf die Straße, liefert Absurdes vom Edelrentner und vom Alt-Revoluzzer und wird jäh politisch. Stark sein Solo über den Munitionsfabrikanten, der nur eins nicht herstellt – Tintenpatronen, „denn an denen macht man sich die Hände schmutzig“.

Das Individuum als Sklave seines Smartphones – auch diesem Topos gewinnt Nils Heinrich ganz neue Töne und Verse ab. Und zwar buchstäblich, denn ebenso gern wie zur Kladde greift der Künstler zur Klampfe. Dann entstehen vergiftete Songs über „Twitternde Mädchen“ und über Leute, die alles, aber auch alles fotografieren. Das Alte und das Neue, das Gestern und das Morgen, Kabarett und Poesie – Nils Heinrich bringt’s zusammen. Keine Lust, sich das mal live anzuschauen? Ach komm!

Weitere Termine

bis 25. April, Dienstag bis Samstag, um 20 Uhr, Telefon 089/ 39 19 97.

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