Keine singt wie sie

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Anja Harteros bei Münchens Philharmonikern. Mit reichlich Vorschlusslorbeeren trat Gustavo Gimeno auch am Montag für den erkrankten Lorin Maazel im Gasteig ans Pult der Münchner Philharmoniker.

Erst im Februar war der junge Spanier mit großem Erfolg für Mariss Jansons beim Concergebouw Orchestra eingesprungen, dem Klangkörper, dem er zuerst als Schlagzeuger angehörte. Gimeno, dessen Bewegungen der linken Hand an die seines Mentors Claudio Abbado erinnern, sollte die Erwartungen nicht enttäuschen.

In Strauss’ „Till Eulenspiegel“ versprühte er viel Verve, lies das Blech strahlen, stets mit guter Übersicht und Bedacht auf Homogenität. In den „Vier letzten Liedern“ fehlte diese etwas. Obwohl Gimeno das Orchester empfindsamer einstellte als es im April Manfred Honeck getan hat, deckte es Anja Harteros gerade in den tiefen Registern oft zu. Eigentlich unverständlich, dass man eine solche Künstlerin nicht auf Händen trägt. Keine singt diese Lieder momentan wie sie. Trotz der wenig intimen Atmosphäre des Saales schuf sie Momente höchster Intensität und Berührung. Wie Anja Harteros mit dem für sie so charakteristisch aspirierten Klang und endlosem Atem „Langsam tut er die müdgewordnen Augen zu“ singt, rührte zu Tränen. In den jubelnden Höhen verfügt sie über den selten gewordenen, leuchtend-stählernen Strauss-Ton.

Danach leitete Gimeno zupackend die „Romeo und Julia“-Ouvertüre von Tschaikowksy sowie Musik aus Prokowjews gleichnamigen Ballett. Hier entlockte er den Philharmonikern einen herrlich dichten, samtigen Streicherklang und zeigte, besonders in der Zugabe, dem „Valse triste“ von Sibelius, welch berückende Pianokultur möglich ist. Warum nicht schon bei Strauss? maximilian maier

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