Keine Massenware

Mit zwei Preisen wurde der Alpenwestern „Das finstere Tal“ geehrt, hier eine Szene mit Hans-Michael Rehberg. foto: verleih
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Mit zwei Preisen wurde der Alpenwestern „Das finstere Tal“ geehrt, hier eine Szene mit Hans-Michael Rehberg. foto: verleih

Polnisches Kloster-Drama erhält fünf Europäische Filmpreise, drei Trophäen gehen nach Deutschland. Für Pawel Pawlikowski war es eine „fantastische Nacht“.

Mit seinem bewegenden Schwarz-Weiß-Drama „Ida“ holte der polnische Regisseur beim 27. Europäischen Filmpreis fünf Trophäen, darunter den Preis für den besten Spielfilm. Doch auch der Deutsche Marc Bauder konnte nach der Verleihung in der lettischen Hauptstadt Riga die Sektkorken knallen lassen. Er wurde für seine Banker-Doku „Master of the Universe“ in der Kategorie bester Dokumentarfilm ausgezeichnet.

Für Pawlikowski regnete es am Samstagabend in der Lettischen Nationaloper Preise: für Regie, Kamera, Drehbuch und Ausstattung. Obendrein gab es noch den Publikumspreis, der ihn am meisten überraschte. „Es ist kein offensichtlicher Film für die Massen“, meinte der 57-Jährige. Sein Film spielt im Polen der Sechzigerjahre und erzählt von einer im Waisenhaus aufgewachsenen Novizin und ihrer schwierigen Identitätssuche. Bevor sie ihr Gelübde ablegen kann, erfährt die junge Frau, dass sie eigentlich Jüdin ist und ihre Eltern dem Holocaust zum Opfer fielen. Mit „Ida“ bewirbt sich Polen auch um den Oscar für den besten fremdsprachigen Film.

Marc Bauder, Sieger in der Sparte Dokumentation, sagte, er habe sich mit den „treibenden Motoren der gesellschaftlichen Veränderungen“ wie etwa Bankern oder Politikern beschäftigen wollen. „Man muss das Ganze demystifizieren, um wirkliche Veränderungen herbeizuführen.“ Für Deutschland gab es noch zwei weitere Preise: Natascha Curtius-Noss und Claus-Rudolf Amler wurden prämiert für das Kostüm- und Szenenbild des Alpendramas „Das finstere Tal“, das auf dem Buch unseres Mitarbeiters Thomas Willmann basiert.

Bester Schauspieler wurde der Brite Timothy Spall („Mr. Turner – Meister des Lichts“). Als beste Schauspielerin wurde in Abwesenheit die Französin Marion Cotillard („Zwei Tage, eine Nacht“) geehrt. Emotional wurde es, als Agnès Varda für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wurde. Die 86-jährige französische Regisseurin und Autorin nahm die Ehrung gerührt und verlegen entgegen. Dennoch äußerte sie Kritik: Zu wenige Frauen seien unter den Nominierten gewesen. Der britische Regisseur Steve McQueen („12 Years a Slave“) wurde für seinen „einzigartigen Beitrag zum internationalen Kino“ geehrt.

Durch den Abend führte Thomas Hermanns, der Gründer des „Quatsch Comedy Clubs“. Er bot den gut 1000 Gästen „Rundum-Service“ inklusive Wodka, schlug in seiner ersten englischen Moderation aber auch ernste Töne an und kritisierte die Unterdrückung von Homosexuellen in Lettlands Nachbarland Russland. alexander Welscher

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