Es kann jede Frau treffen

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Fernsehfilme ZDF zeigt Beziehungsdrama „Eine verhängnisvolle Nacht“ über einen Fall von Stalking

Von Ulrike Cordes

Gefühle von Bedrohung und ohnmächtiger Angst vermittelt bereits die Einstiegsszene. Ein Feuer lodert am Strand. Mit einem Arm voller Holzstücke nähert sich eine blonde junge Frau. Plötzlich taucht in den Dünen ein Mann mit blutiger Stirn auf. Panisch versucht die Frau, davon zu laufen. „Ich will doch nur reden“, ruft der Mann, ihr dicht auf den Fersen. Im ZDF-Fernsehfilm „Eine verhängnisvolle Nacht“ mit Silke Bodenbender und Matthias Brandt, zu sehen heute um 20.15 Uhr im ZDF, nimmt sich Regisseur, Co-Autor und Kameramann Miguel Alexandre („Schicksalsjahre“) des Themas Stalking an.

Atmosphärisch dicht, aber wohl nicht immer realitätsnah in Bezug auf Polizeiarbeit und Opferschutz gelang ihm ein Beziehungsdrama mit Thrilleraspekten. Lehrerin Hannah, alleinerziehende Mutter von zwei Kindern, verliebt sich Knall auf Fall in den neuen Kollegen Bernd. Ohne viel voneinander zu wissen, verbringen beide in Silkes Wohnung eine Nacht. Bald wird die Aggressivität Bernds deutlich. Aus geringstem Anlass schlägt er auf sie ein – um sie dann zu vergewaltigen.

Der Täter wird verurteilt und landet im Gefängnis. Wieder in Freiheit, stellt er senem Opfer erneut nach, Anwalt und Polizei können sie nicht schützen. So geht für Hannah, die auch für ihre halbwüchsigen Kinder und den kranken Vater (Rolf Becker) sorgen muss, der Alptraum weiter. Ihr geordneter bürgerlicher Alltag bricht in Scherben, nicht einmal in ihrer Wohnung kann sie sich noch sicher fühlen. Schließlich zieht sie nach dem privaten Tipp eines Polizisten ans Meer, um dort mit ihren Kindern unter neuer Identität zu leben.

In der Story fallen einige Ungereimtheiten auf. So wird das Opfer zum Vater des Täters geschickt, um dort auf eigene Faust mehr über die Motive des Ex-Partners zu erfahren. Einen so fatalen, gefährlichen Rat dürfte ein Polizist in der Realität nicht geben. Auch wird nur am Rande thematisiert, welche Möglichkeiten es tatsächlich gibt, sich einen Aggressor wirksam vom Leib zu halten. All das dürfte beim Zuschauer leicht den völlig falschen Eindruck erwecken, man könne sich gegen Stalking nicht wehren.

Nach Angaben des Bundesverbands Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe (BFF) werden zwölf Prozent aller Deutschen einmal im Leben gestalkt. In den wenigsten Fälle seien Promnis betroffen, so BFF-Sprecherin Katja Grieger. Der weitaus größte Teil hänge mit Trennungen zusammen – in allen sozialen Schichten. „Meist sind es Männer, die eine Frau nicht loslassen können“, sagt Grieger. Opfer eines Stalkers kann, so zeigt es auch der Film, letztlich jede Frau werden.

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