Der Kaiser als Metzger

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Ein merkwürdiger Kauz: Willibald Adrian Metzger (Robert Palfrader) untersucht heute im ARD-Film „Der Metzger muss nachsitzen“ ab 20.15 Uhr den Tod seines einstigen Schulpeinigers. foto: ARD degeto

Robert Palfrader ermittelt heute ab 20. 15 Uhr als Restaurator, der die Leiche seines schlimmsten Peinigers entdeckt.

Von Klaus Braeuer und Angelika Mayr

„Der Metzger muss nachsitzen“ heißt der zweite Teil einer österreichischen Krimiserie, den die ARD heute ab 20.15 Uhr zeigt. Und nein, dabei handelt es sich keineswegs um einen Angehörigen des Fleischfachhandels, der sich neben dem Zerlegen von toten Tieren um unlösbar erscheinende Kriminalfälle kümmern darf – vielmehr ist mit der Titelfigur ein Herr namens Willibald Adrian Metzger (Robert Palfrader) gemeint.

Und dieser ist eigentlich Restaurator von antiken Möbeln, spricht auch gerne schon tagsüber dem Rotwein zu, besitzt weder Handy noch Fernseher und ein Auto natürlich schon mal gleich gar nicht. Und als er dann zufällig auf einen alten Schulkameraden trifft, ist das Fass am Überlaufen. Darauf nämlich hätte Metzger gerne verzichtet. Dobermann schließlich hat Metzger früher immer erbarmungslos gepiesackt. Doch das kann er jetzt wenigstens nicht mehr. Denn 25 Jahre später stolpert Metzger über die Leiche seines schlimmsten Peinigers. Kurz darauf ist der Tote verschwunden.

Wo ist der Leichnam hin? Zieht jemand im Hintergrund die Fäden? Eigentlich geht das Metzger als Restaurator nichts an. Doch es reizt ihn, Licht ins Dunkel zu bringen. Auch, weil der zuständige Ermittler ein von ihm kaum geschätzter ehemaliger Mitschüler ist. Ein passendes Umfeld, so findet Willibald Adrian Metzger, bietet ein Klassentreffen der 8b, im Lehrkörper früher auch bekannt als „die achte biblische Plage“. Dazu hilft ihm noch Danjela (Dorka Gryllus) – damals Metzgers Schulschwarm.

Als Vorlage für den Film dient der erste Roman von Thomas Raab (44), der mittlerweile sechs Bücher um die Figur des Herrn Metzger geschrieben hat. Einen ähnlichen Kult gibt es in Österreich rund um den Schauspieler Robert Palfrader (46), der früher mal ein Kaffeehaus in der Wiener Josefstadt betrieben hat, aber seit vielen Jahren erfolgreich als Theater- und TV-Schauspieler tätig ist. Mit Satiresendungen wie „Wir Staatskünstler“, „BÖsterreich“ und „Wir sind Kaiser“ (dort sitzt er tatsächlich als Kaiser auf einem Thron und hält Hof) wurde er bei unseren Nachbarn populär.

„Der Metzger hat eine recht hohe emotionale Intelligenz“, sagt Palfrader über seine Filmfigur. „Er kann sich besser in soziale Gefüge einordnen, weil er sich außerhalb davon stellt. Dadurch hat er einen besseren Blick auf die Mechanismen um ihn herum. Er hat einfach zu viele Narben in seiner Seele, die noch nicht verheilt sind, und er hat mit zu vielen Dämonen zu kämpfen. Er hat einen zu großen Rucksack umgeschnallt bekommen, den er nun mit sich herumschleppen muss. Ein Privatleben hat er nicht, und aus Angst, verletzt zu werden, zieht er sich zurück. Das kann auch ein Vorteil sein.“

Seine immer noch unerfüllte Liebe Danjela spürt das genau und nähert sich dem merkwürdigen und menschenscheuen Eigenbrötler Metzger sehr behutsam an. Die in Budapest geborene Dorka Gryllus (42, „Soul Kitchen“) spielt diese hübsche Frau als wunderbaren Gegenpart zum Grantler: frech, humorvoll, souverän sowie sehr impulsiv.

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