MATHIEU CARRIÈRE ÜBER „DIE WAHRHEIT UND NICHTS ALS DIE WAHRHEIT“, SEINE ROLLENAUSWAHL UND DIE GEFAHR DER ROUTINE

„Jeder Abend ist anders“

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Eric Rohmer oder „Soko Leipzig“, „Der junge Törless“ oder das RTL-Dschungelcamp, Ölprinz in Bad Segeberg oder Kardinal Cajetan in „Luther“ – Mathieu Carrière hat keinerlei Berührungsängste.

In seiner beachtlichen Karriere hat er Anspruchsvolles wie Seichtes gespielt, alles jedoch immer mit Intelligenz und Leidenschaft. Von Donnerstag an steht er in der Münchner Komödie im Bayerischen Hof in „Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit“ von Éric Assous auf der Bühne. Wir sprachen mit dem 67-Jährigen über dieses Schauspiel für zwei Personen.

-Was hat Sie an dem Stück gereizt?

Éric Assous reizt mich. Ich schätze ihn sehr als Autor und bin auch mit ihm befreundet. Außerdem ist Regisseur Jean-Claude Berutti, mit dem ich zum dritten Mal arbeite, inzwischen für mich eine Art Guru. Aber das Schöne an einer Komödie ist: Jeder Abend ist anders. Deswegen macht’s auch immer wieder Spaß. Weil man vorher nie weiß, bei welchen Witzen die Leute lachen. Oder eben nicht lachen.

-Irritiert das manchmal, wenn das Publikum nicht entsprechend reagiert?

Aber nein, im Gegenteil! Dann sind wir schuld. Wenn das Publikum nicht gut ist, dann sind die Schauspieler schuld.

-Gibt es besondere Herausforderungen, wenn man nur zu zweit auf der Bühne steht?

Ein Zwei-Personen-Stück zu spielen, ist immer schwer. Das ist wie Pingpong-Spielen, man muss dauernd den Kontakt zum Partner halten und der Ball darf nicht ins Netz. Aber hat man die notwendigen Reflexe erst einmal ausgebildet, ist es wie beim Schwimmen: Man verlernt es auch nicht mehr.

- Dieses Drama ist wie eine Zwiebel. Die erste Schicht mutet noch ganz harmlos an, danach gerät man immer tiefer in die seelischen Verstrickungen dieses Paares hinein.

Keine Angst, es bleibt trotzdem eine Komödie!

-Sie spielen diese Inszenierung bis Juni in München. Schleift sich durch Routine nicht viel ab?

Nein, da schleift sich nichts ab. Jedes Mal ist das erste Mal. Notfalls gibt es Tricks, um das herzustellen. Hic Rhodus, hic salta. („Hier ist Rhodos, hier springe!“ bedeutet so viel wie: Zeig hier, was du kannst; Anm. d. Red.) Manchmal kneift mir meine entzückende Partnerin Alexandra von Schwerin auch vor dem Auftritt in den Po, damit es einen kleinen Stromstoß gibt.

-Was ist Ihre Figur Serge für ein Typ?

Ein phlegmatischer Bigamist. Der ist sehr zufrieden mit seinem Leben. Er ist ein französischer Spießbürger. Aber es geht ja nicht darum, was ich von Serge halte. Es geht darum, was für eine Beziehung man mit dem Partner auf der Bühne aufbauen kann, ganz egal, ob man einen Psychopathen verkörpert oder einen Heiligen. Serge ist ein guter Lügner und Marianne ist ein guter Detektiv. Das Ganze macht uns großen Spaß, schon weil es so französisch gedacht ist.

-Sie haben schon so viele verschiedene Formate gespielt. Nach welchen Kriterien entscheiden Sie sich für eine Rolle?

Nach dem Lustprinzip. Wichtig ist allein, was mir Spaß macht. Und ich habe eben Spaß an sehr vielen Dingen. Es geht mir hauptsächlich um die Leute dabei. Wenn ich die Leute mag, ist es mir vollkommen egal, um was es sich handelt.

Das Gespräch führte Ulrike Frick.

München-Premiere

von „Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit“ ist morgen, 19.30 Uhr, in der Komödie im Bayerischen Hof; die weiteren Vorstellungen laufen bis 10. Juni; Telefon 089/ 29 28 10.

Zurück zur Übersicht: Kultur & TV

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare