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AUSSTELLUNG UND FESTAKT ZUM 100. GEBURTSTAG DES KOMPONISTEN-ENKELS UND REGIE-REFORMERS WIELAND WAGNER

„Irgendwo ist er hier noch“

Bayreuther Festspiele . Von Markus Thiel.

Die Frage stellt sich seit Langem nicht mehr, der heuer so Gefeierte verlor schließlich 1966 den Kampf gegen den Krebs. Und dennoch: Was wäre gewesen, wenn Wieland Wagner weitergewirkt hätte? Wenn er in seinem revolutionären Sinn die Bayreuther Festspiele mit dem dann sicher künstlerisch nachgeordneten Bruder Wolfgang einige Jahre noch geführt hätte? Wunsch und Traum, Unerfülltes und Unvollendetes, ein Leben zwischen Idealisierung durch die Nachwelt und schnöder, auch brauner Realität – viel schwingt da zurzeit mit in Bayreuth, wo die Festspiele den 100. Geburtstag eines Großen feiern, über den sie sich beim Neustart 1951 definierten.

Organisiert wurde eine Ausstellung im Wagner-Museum, am Tag vor der „Meistersinger“-Premiere gab es einen Festakt im Festspielhaus. Unfreiwillig oder hintergründige Absicht? Die Schau über den Komponisten-Enkel ist in vielsagendes Dunkel getaucht. Aus dem Schummer leuchten Devotionalien wie Grace Bumbrys Venus-Kostüm heraus, auch Klavierauszüge mit Wielands Regie-Notizen. Viel zu lesen gibt es und nicht unbedingt Neues zu registrieren. Doch steht man wieder staunend vor der kosmischen Leere seiner Bayreuther Bühnen. In Filmen kommen Sänger und er selbst zu Wort. Die Kuratoren finden klare Worte für den Lebensumschwung. Wieland, der Wendehals, der 1943 in Bühnenbildern für die „Meistersinger“ Staat und System mit dem Reichsadler feierte. Der Liebling Hitlers. Und einer, der schon früh die Festspielleitung anstrebte, sich musikalisch und szenisch ausbilden ließ – um später den genialen Autodidakten zu geben.

Gefallen hätte es ihm, dass fürs Programm „seines“ Festakts (eine aus Zeit und Welt gefallene Bizarrerie) die Genehmigung des Stiftungsrats eingeholt wurde. Man spielte, oh Schreck, auch Alban Berg und Giuseppe Verdi. „Irgendwo hier ist er noch“, konstatierte Wolf-Siegfried Wagner, Jahrgang 1943. Wielands ältestes Kind, das passt zum Selbstverständnis dieses Familienzweigs, sprengte die Regeln der zweieinhalb Gala-Stunden. Seine „Worte an meinen Vater“, Assoziationen, locker Verknüpftes, fast Lyrik, berührten, weil sie so viel durchschimmern ließen. Nike und Daphne habe der antikenverliebte Vater seine späteren Kinder genannt, „mich nanntest du noch Wolf-Siegfried“. Nach Onkel Wolf, Spitzname für den verehrten „Führer“, und nach dem Helden – die Widersprüchlichkeit Wielands, konzentriert im Namen des Erstgeborenen.

Auch Sir Peter Jonas ging in seiner Festrede ausgiebig auf Widerstreitendes ein. Auf die „ödipale Tragödie“, womit der frühere Intendant der Bayerischen Staatsoper sicher nicht nur den Geehrten meinte, sondern das dynastische System Bayreuths. Wieland Wagner sei ein „Rätsel auf zwei Beinen“ gewesen, vergleichbar in seiner Licht- und Schattenseite mit dem gleichaltrigen John F. Kennedy. Fast zu ausgiebig würdigte Jonas den Richard-Enkel, ordnete ihn ein als künstlerische Ausnahmegestalt, versuchte sich auch an einer Erklärung, warum der von Hitler Faszinierte mit allen Traditionen brach. Typisch Jonas, dass es auch Witziges, Provokatives und Persönliches gab bis hin zu den Erlebnissen als reisender Student: Oberhalb des Festspielhauses wurde wild gezeltet, die Vorstellungen verfolgte der junge Peter illegal von der Beleuchterbrücke aus.

Im Sinne des Gefeierten waren die verlosten Gratis-Karten für den Festakt. Aus dem Musikprogramm sprach der intellektuelle Geist seines Familienzweigs. Hartmut Haenchen und dem Festspielorchester glückte Wagners „Rienzi“-Ouvertüre fein ausgehört. Claudia Mahnke sang Stücke aus Bergs „Wozzeck“. Camilla Nylund, Stephen Gould und Christa Mayer waren  mit  dem fast vollständigen Schlussakt aus Verdis „Otello“ betraut. Und eine Pointe für Fans brachte die erste Verwandlungsmusik aus dem „Parsifal“ mit einer von Engelbert Humperdinck eingefügten Wiederholung. Kein Sakrileg, damals konnte die Bühne nicht schnell genug umgebaut werden.

Ausstellung

bis 19. November, während der Festspielzeit täglich, sonst Di.-So. 10-17 Uhr; Richard-Wagner-Straße 48.

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