„Irgendwie ist hier was Einsames“

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Weiße Möbel, weiße Blumen, weißes Kleid – alles in dieser ersten Szene des Münchner „Tatort“ (ARD) signalisiert Reinheit und (weibliche) Unschuld. Eine wie ein Traum wirkende Sequenz, der ein böses Erwachen folgt, nicht nur für den Zuschauer.

Denn Lisa Brenner (Fanny Risberg), die schon nach wenigen Minuten zerschmettert auf dem Asphalt liegt, ließ sich für Liebe und Sex bezahlen – und gab dafür jedem ihrer Kunden das Gefühl, der Einzige in ihrem Leben zu sein.

Autor und Regisseur Max Färberböck lässt in „Am Ende des Flurs“ tief blicken in die Seelen seiner Figuren, er zeigt Männer unterschiedlichsten Standes und Charakters, deren Verhältnis zum Opfer changiert zwischen Verehrung und Verachtung. Er führt mit großer Lakonie mehr oder weniger angeknackste Egos vor, die das Abenteuer suchen oder gekaufte Aufmerksamkeit für echtes Gefühl halten. „Irgendwie ist hier was Einsames“ – Kalli Hammermanns (Ferdinand Hofer) jugendlich-fröhliche Feststellung in Lisas verwaister Wohnung steht wie eine Überschrift über dem Geschehen, sie gilt für die (Edel-)Prostituierte und für ihre Freier. Dass das im Laufe der Ermittlungen offenbar werdende (Ex-)Verhältnis Lisas zu Kommissar Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) trotzdem ein besonderes war, gehört zu den ungeschriebenen Gesetzen des Genres, nach denen die Guten im Krimi nach Möglichkeit nicht beschädigt werden sollen.

Die sich aus der persönlichen Verstrickung ergebende Beziehungskrise zwischen Leitmayr und seinem Buddy Ivo Batic (Miroslav Nemec) liefert das gewisse Extra in einem auch im Detail außerordentlich gut gearbeiteten Film. Denn Färberböck versteht es, unterstützt von Kameramann Michael Wiesweg, die Handlungsfäden zu einem dichten Gespinst zu verweben. Er inszeniert Ensembleszenen ebenso perfekt wie die Eins-zu-eins-Momente. Seine Sensibilität für Schauspieler lässt diese aufblühen – wie hier Franz Xaver Kroetz als Promiwirt in der (zweiten) Midlife Crisis.

Auch der junge Hofer als Assistent entwickelt sich gut, wogegen Lisa Wagner als neue „Fallanalytikerin“ Christine Lerch noch nicht viel zeigen darf. Wird schon! Nach dem unsäglich platten „Allmächtig“ mal wieder ein herausragender BR-„Tatort“, zu dessen hoher Qualität auch die finale Pointe passt, dass die von so vielen Männern begehrte Lisa Brenner durch die Hand einer Frau (beeindruckend: Barbara de Koy) sterben musste. Rudolf Ogiermann

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