DIE SCHAUSPIELERIN UND SÄNGERIN DAGMAR MANZEL FEIERT AN DIESEM SAMSTAG IHREN 60. GEBURTSTAG

Immer ganz bei sich

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Kam spät zum Singen: Dagmar Manzel feiert große Erfolge vor allem an Berlins Komischer Oper. Foto: dpa

Von Esteban Engel. Gerade ist ihre Romanze „Grüner wird’s nicht, sagte der Gärtner und flog davon“ im Kino gestartet, derzeit dreht sie den Dreiteiler „Unterleuten“ fürs ZDF, demnächst steht sie zum 80. Mal in „Gift“ neben Ulrich Matthes auf der Bühne des Deutschen Theaters.

Film, Fernsehen (unter anderem als Kommissarin Paula Ringelhahn im Franken-„Tatort“), Bühne, dazu Lesungen und viele Ideen – dass Dagmar Manzels Lebensführung eine „logistische Meisterleistung“ sei, wie sie sagt, dürfte nur Teil der Wahrheit sein. Die Schauspielerin und Sängerin, die an diesem Samstag 60 wird, lässt sich nicht stressen, bleibt immer ganz bei sich. Das spüren und schätzen natürlich auch die Zuschauer.

Eine „Anti-Diva“ hat sie Barrie Kosky genannt, der Intendant der Komischen Oper Berlin. Manzel, die als ihr Vorbild die legendäre Fritzi Massary (1882–1969) nennt, ist ein wesentlicher Glamourfaktor im buntesten der drei Berliner Musiktheater. „Spielend singen, singend spielen“, bringt sie ihre Erfolgsformel auf den Punkt. Ob in „Die Perlen der Cleopatra“, „Ball im Savoy“ oder „Anatevka“ – stets paaren sich bei Manzel furioses Spiel und feiner Humor. Sie hat dem (nur augenscheinlich) leichten Fach zu neuem Höhenflug verholfen. In Kosky habe sie ihren Meister gefunden, sagt die Künstlerin mit den strahlend blauen Augen – und der Australier, einer der kreativsten Regisseure heutzutage, fand in ihr seine Muse.

Die Tochter eines Lehrerehepaars wuchs mit Opern und Operetten auf. Zuhause sang sie zu Platten von Maria Callas, vor dem Spiegel dirigierte sie ganze Orchester. Dann entdeckte eine Freundin ihr komödiantisches Talent, irgendwann überraschte Manzel die Eltern mit dem Entschluss, auf die Schauspielschule zu gehen. Dort trug sie den Monolog der Luise aus Schillers „Kabale und Liebe“ vor – auf Berlinerisch, wie sie sich lächelnd erinnert: „Hat unsre Seele nur eenmal Entsetzen jenuch in sich jetrunken, so wird dit Ooge in jedem Winkel Jespenster sehn.“

Sie wurde trotzdem genommen – und kam nach eineinhalb Jahren ans Dresdner Schauspielhaus. Im Jahr 1983 wechselte sie ans Deutsche Theater, wo sie eng mit dem Regisseur Heiner Müller zusammenarbeitete. Immer wieder habe sie ihn gebeten, sie auf der Bühne auch singen zu lassen. Diesen Wunsch konnte sich Manzel erst später erfüllen – und kostet ihn jetzt ausgiebig aus. Koskys Vertrag geht bis 2022. Und dann? „Nüscht“, sagt sie. Dann werde sie sich eben was anderes überlegen.

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