„Ich will nicht die neue Erika Berger werden“

Der Nette von nebenan? Wayne Carpendale ist immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Foto: Sat.1
+
Der Nette von nebenan? Wayne Carpendale ist immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Foto: Sat.1

Interview . Wayne Carpendale über die Neuauflage von „Nur die Liebe zählt“, authentisches Fernsehen und seine Zukunftspläne.

Er ist längst aus dem Schatten seines berühmten Vaters herausgetreten. Wayne Carpendale, Sohn des Schlagersängers Howard Carpendale („Hello again“), ist als Schauspieler und Showmoderator gefragt. Jetzt präsentiert er mit „Nur die Liebe zählt“ das Comeback eines Klassikers. Die Show lief 1993 und 1994 bei RTL, war danach auf wechselnden Sendeplätzen bei Sat.1 zu sehen und wurde 2011 wegen geringer Zuschauerzahlen abgesetzt. Heute um 20.15 Uhr kehrt das Format als große Abendshow ins Sat.1-Programm zurück – mit Carpendale als Nachfolger von Kai Pflaume. Carpendale, geboren 1977 in Köln, war unter anderem in den Seifenopern „Unter uns“ und „Sturm der Liebe“ zu sehen, richtig bekannt machte ihn die Titelrolle in „Der Landarzt“ (ZDF). Seit Sommer moderiert er die Sat.1-Show „Deal or no Deal“.

-Haben Sie keinen Bammel, eine Show zu übernehmen, die vor wenigen Jahren wegen Quotenschwunds aus dem Programm geflogen ist?

Bammel wegen eines Quotentiefs vor ein paar Jahren? Überhaupt nicht. Bammel hab’ ich höchstens, weil die Menschen hochemotionale Momente mit der Show verbinden und ich sie jetzt genauso zum Lachen und Weinen bringen möchte wie damals Kai. „Nur die Liebe zählt“ ist ein tolles Format, das nach so vielen erfolgreichen Jahren einfach mal eine kurze Pause brauchte. Ich habe das Gefühl, dass die Sehnsucht nach der Show, überhaupt nach so einer Sendung, groß ist.

-Inwiefern?

Die Zuschauer haben wieder Lust auf ein Format, das ehrliche Geschichten erzählt, das nicht übertreibt, aber trotzdem emotional mitreißt. „Nur die Liebe zählt“ ist wahrhaftiges, authentisches Fernsehen. Bei uns wird nichts nach Drehbuch inszeniert. So viele Menschen sind mit der Sendung aufgewachsen und können sich jetzt wieder auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle freuen. Denn wir haben vieles so gelassen, wie es war, anstatt es krampfhaft zu modernisieren.

-Ist etwa auch der berühmte silberne Caravan wieder dabei?

Ein anderes Modell. Aber das ist ein Beispiel dafür, dass nicht alles geändert werden muss, bloß um es zu ändern. Natürlich haben wir über Alternativen nachgedacht – Schiff, Zeppelin, Helikopter, was auch immer. Letztendlich ist so ein Caravan aber einfach die beste Lösung, einem Kandidaten einen privaten Raum für ein emotionales Gespräch zu schaffen.

-Und im Hintergrund läuft dazu „Hello Again“ oder ein anderer Hit Ihres berühmten Vaters?

Das hätten Sie jetzt gern, oder? Nein, der Familienzusammenhalt ist bei uns zwar groß, aber berufliche Projekte machen wir nur gemeinsam, wenn es Sinn macht.

-Haben Sie „Nur die Liebe zählt“ früher eigentlich selbst angeschaut?

Die meisten Männer haben’s ja eher heimlich geschaut – oder notgedrungen, wenn sie eine Freundin hatten. Ich habe damals mal zur einen, mal zur anderen Gruppe gehört. (Lacht.) Zumindest kann ich mich an erstaunlich viele Geschichten mit Kai gut erinnern.

-Muss man ein sehr romantischer Typ sein, wenn man als Moderator der Show den Amor für Paare spielen will?

Den Amor spiele ich ja gar nicht. Ich bewerte nicht, wer zusammenpasst und gebe auch keine Beziehungstipps – ich will ja nicht die neue Erika Berger werden. Ich überbringe lediglich die Nachrichten und helfe gemeinsam mit meinem Team, die Überraschung ein bisschen besonderer zu machen.

-Sie haben neulich gesagt, dass Sie und Sat.1 zusammenpassen wie „Arsch auf Eimer“. Wie war denn das gemeint?

Sat.1 macht moderne, sympathische, solide Familienunterhaltung, die nur selten polarisiert. Mich steckt man gern in eine ähnliche Schubblade. Schwiegermutters Liebling und so – auch wenn meine Frau und meine Schwiegereltern das vermutlich anders sehen.

-Der Nette von nebenan – klingt das gut für Sie?

Das war nie mein Ziel. Allerdings hat es den Vorteil, dass es für den Netten leicht ist, zu überraschen. Denn niemand ist nur nett, ich schon gar nicht. (Lacht.)

-Die Moderation ist ja eigentlich nur Ihr zweites Standbein, in erster Linie sind Sie Schauspieler. Haben Sie nach dem Ende von „Der Landarzt“ eine neue Serienhauptrolle in Aussicht?

Ich denke nicht in Kategorien von Haupt- und Nebenrollen oder Serien- und Filmrollen. Ich suche Herausforderungen. Die habe ich dieses Jahr mit den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg, mit der Moderation der Show „Deal or no Deal“, mit der Hauptrolle in der ARD-Krimireihe „Mord in bester Gesellschaft“ und nicht zuletzt mit der Übernahme eines großen Klassikers wie „Nur die Liebe zählt“ auch gefunden. Momentan wünsche ich mir also wirklich nicht noch mehr Auslastung, sondern genieße das, woran ich gerade arbeite.

Das Gespräch führte Cornelia Wystrichowski.

Kommentare