„Ich wasche mir die Hände“

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Erstmals am Pult einer Akademieproduktion: Dirigent Paolo Carignani, sonst im Nationaltheater aktiv. foto: schöneck

Martín y Solers Oper „L’arbore di Diana“ war zu Lebzeiten des Komponisten ein Erfolg, den die Theaterakademie wiederholen will. von Tobias Hell.

„Bravi! Cosa rara.“ Dieses Lob von Leporello im letzten Akt von „Don Giovanni“ haben Opernfans schon oft gehört. Nur die wenigsten dürften aber die hier von Mozart zitierte und damals überaus populäre Oper schon einmal gehört haben, geschweige denn den Namen ihres Komponisten. Vicente Martín y Soler war damals in Wien eine feste Größe und beim Publikum sogar erfolgreicher als der junge Kollege Wolfgang Amadeus. An der Bayerischen Theaterakademie macht man sich nun daran, ein weiteres Werk des Spaniers aus seinem Dornröschenschlaf zu erwecken, „L’arbore di Diana“, uraufgeführt 1787 anlässlich der Hochzeit von Erzherzogin Maria Theresia.

Erstmals am Pult bei einer Akademieproduktion steht hierfür der Italiener Paolo Carignani, den man sonst von der Staatsoper her kennt, und zwar mit Verdi und Verismo. „Als Italiener wird man natürlich eher für dieses Fach angefragt, aber ursprünglich habe ich als Organist begonnen und viel Barockmusik gemacht, in meiner Zeit als GMD in Frankfurt zum Beispiel einen ganzen Monteverdi-Zyklus“, erzählt Carignani. Keine Frage also, dass er in Zeiten der zunehmenden Spezialisierung bei diesem Angebot schnell zusagte: „Es ist eine Herausforderung, aber auch eine Gelegenheit, in meine Vergangenheit zurückzugehen und mir wieder einmal die Hände zu waschen; bei Verdi und Puccini ist viel Blut und Leidenschaft mit dabei – hier geht es vor allem um Leichtigkeit und Transparenz. Wir haben zwar keine Originalinstrumente, aber das Rundfunkorchester und ich arbeiten intensiv an einem möglichst authentischen Klang, und die Musiker genießen es richtig, dieses Repertoire zu spielen.“

Ein weiteres Plus ist für den Dirigenten die Arbeit mit den jungen Sängern, die hier auf der Bühne stehen; die Lust, ein Stück gemeinsam zu entdecken und durch die Augen der jungen Leute aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. „Ich versuche immer, jedes Werk wie beim ersten Mal zu erleben, aber natürlich erwarten die Sänger von mir auch eine gewisse Führung. Und wenn ich ihnen etwas erklären soll, muss ich mir zuvor erst einmal selbst genaue Fragen stellen, um die richtigen Antworten zu finden.“

Martín y Solers „L’arbore di Diana“ sieht Carignani, der von Beginn an auch bei den szenischen Proben präsent war, als ideales Stück für ein junges Sängerensemble. In enger Zusammenarbeit mit Regisseur Balázs Kovalik wurde für München eine neue, leicht gestraffte Version des erotischen Verwirrspiels erstellt. „Mir gefällt vor allem das Libretto von Lorenzo da Ponte. Er hat Komponisten immer auf ein anderes Niveau gehoben. Nehmen Sie nur Mozart, der gemeinsam mit ihm wahrscheinlich seine drei besten Opern geschrieben hat.“ Ähnlich ist es mit Martín y Soler, selbst wenn das parallel zum „Don Giovanni“ komponierte Stück lange in Vergessenheit geraten war. „Das ist das Schicksal vieler Komponisten, aber wenn man es genau nimmt, war das für ihn eigentlich besser. Lieber zu Lebzeiten verehrt und später vergessen, als arm zu sterben und erst nach dem Tod berühmt zu werden.“

Eine zweite Chance hat sich „L’arbore di Diana“ dennoch verdient. „Es ist für einen Regisseur sehr dankbar, weil die Rezitative nie leeres Füllmaterial sind. Auch die Figur der Diana macht eine große Entwicklung durch. Am Anfang ist ihre Musik sehr kalt, die Gesangslinie fast schon instrumental, aber wenn sie sich dann doch öffnet und die Liebe zulässt, bekommt die Stimme auf einmal etwas sehr Menschliches. Was könnte schöner sein?“

Premiere

am morgigen Freitag, weitere Termine am 22. und 27. Februar sowie am 1. März;

Telefon 089/ 2185-2899.

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