„Ich mag den Typen“

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Interview zum Kinostart . Hubert von Goisern über Marcus H.

Rosenmüller, der ihn porträtierte, Konzerte im Slum und das Musikgeschäft

Dafür dass Hubert von Goisern ein bekennender Interviewmuffel ist, präsentiert er sich im Gespräch sehr aufgeräumt und erzählt dann doch ziemlich viel. Der 62-Jährige bewirbt ein Projekt, das ihm an sich suspekt ist: die Dokumentation „Brenna tuat’s schon lang“, in der er seine Aversion überwand und vor der Kamera über sein Leben und seine Karriere sprach. Der Film von Marcus H. Rosenmüller läuft am Donnerstag in unseren Kinos an. Überhaupt ist gerade viel zu tun für Goisern. In zwei Wochen erscheint das neue Album „Federn“, und danach beginnt gleich eine große Tournee, die ihn am 26. Juni auch auf den Münchner Königsplatz führen wird. Sein bisher größter Auftritt in der Landeshauptstadt.

-Wenn man sich den Film anschaut, bekommt man den Eindruck: Da ist ein Mann, der ein Leben lang Situationen sucht, in denen er scheitern kann.

Erst mal habe ich viel Fantasie und stelle mir immer alles schön vor. Ich suche das Scheitern nicht, aber ich mag keine Dinge anfangen, die nicht scheitern könnten. Das ist fad. Wenn ich genau weiß, wenn ich es so und so anstelle, dann funktioniert das, dann wird es uninteressant. Es ist viel befriedigender, etwas zu schaffen, was auch schiefgehen hätte können. Das Herz will immer dasselbe, der Verstand will immer das Neue. Darum geht es im Leben allgemein: Grenzen zu erweitern, gescheiter zu werden.

-Wie kommt man auf die Idee, mitten in einem afrikanischen Slum spontan ein Konzert zu geben, vor Menschen, die noch nie von einem gehört haben?

Und dann funktioniert es auch noch, obwohl es völlig unwahrscheinlich ist! Ich habe gewusst, dass das gut funktionieren wird – wenn wir es überleben. Man hat uns gesagt, dass wir auf jeden Fall ausgeraubt werden und nur in Unterhosen da wieder rauskommen. Wenn überhaupt. Aber ein Mann, der sich auskannte, meinte: „Das sind Leute wie Ihr, die freuen sich, wenn Ihr das macht.“ Ich habe gespürt, dass wir da alle gemeinsam etwas Gutes erleben werden. Das Leben ist ein Fest, und an dem Tag wurde es eben dort gefeiert.

-Ehrlich gesagt, habe ich mich gewundert, dass Sie sich auf ein Filmprojekt einlassen, in dem es um Sie geht.

Ich stelle mich Fragen immer, wenn es um meine Musik, aber sicher nicht, wenn es um biografische Details geht. Mein Manager hatte dann die Idee zu diesem Film, und ich habe verstanden, was er damit wollte. Aber ich habe ihm gesagt, dass ich nicht darin vorkommen will. Ich bin befangen, wenn es um mich selber geht und kann nichts beitragen. Mein Manager hat dann zwei Stunden zusammen montiert, und ich war entsetzt. Ich habe ihm dann gesagt: „Wenn Du schon einen Film machen willst, hol’ jemand, der Ahnung davon hat.“ Also hat er den Rosenmüller angefragt, und ich habe mich riesig gefreut, als der zugesagt hat. Ich mag den Typen.

-Ihr Manager Hage Hein begleitet Sie seit fast 30 Jahren und hat immer an Sie geglaubt, auch als es sonst keiner getan hat. Wie oft treiben Sie ihn in den Wahnsinn?

Wir haben so Phasen. Es gab eine lange Phase, in der es uns gut ging. Wir hatten aber auch schon einige Male den Punkt erreicht, an dem wir dachten, wir können nicht mehr weitermachen. Und an diesen Tiefpunkten habe ich ihm immer gesagt: „So wie es jetzt läuft, hat es keinen Sinn.“ Aber es gibt für mich keine Alternative. Wenn es mit ihm nicht klappt, klappt es mit überhaupt keinem. Ohne die Leute in der Branche schlecht zu machen – der Hage ist eine Ausnahmeerscheinung mit seiner Integrität und Loyalität. Wenn etwas nicht klappt, liegt das nicht daran, dass er nicht so ist, wie ich es gerne hätte, sondern dass das Business nicht so ist, wie ich es gerne hätte. Ich hatte oft Momente, in denen ich gesagt habe, dass ich bestimmte Dinge nicht mehr machen möchte.  Nicht, weil ich mir dafür zu gut wäre, sondern weil ich es einfach nicht mag. Ich will nicht ins Detail gehen, aber  ich  mag es nicht, käuflich zu sein.

-Wie zu Beginn Ihrer Karriere, als Sie in der Fernsehshow „Nase vorn“ den fröhlichen Austropopper gegeben haben?

Man muss diese Erfahrung machen. Das war meine erste Platte, und die haben sich von allen Titeln den blödesten ausgesucht: „Gern’ hab ich die Frauen geküsst“. Ich wollte etwas anderes singen, aber alle haben darauf bestanden, und dann lief es eben so. Schon als wir die Platte eingespielt haben, gab es zu viele Kompromisse. Der Produzent hat alles anders gemacht, als ich wollte. Die Platte ist total gefloppt. Dann habe ich mir gesagt, von jetzt an tue ich, was ich für richtig halte, egal wer was sagt.

-Erschließen Sie sich deshalb auch immer neue Instrumente und Klangwelten?

Ich stolpere da mehr so rein. Das hängt immer mit Lebenssituationen zusammen. Plötzlich klingt alles anders, es gibt neue Sounds und andere Rhythmen, und ich nehme das an.

Das Gespräch führte Zoran Gojic.

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