„Ich schmeiße nicht gerne weg“

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Seit zehn Jahren schauen sie in fremde Töpfe: Die „Kochprofis – Einsatz am Herd“ sind (v. l.) Andi Schweiger, Nils Egtermeyer, Ole Plogstedt und Frank Oehler. foto: RTL2

Andreas Schweiger über das aktuelle Kochbuch seiner RTL2-Reihe „Die Kochprofis“, Essensreste und Industrieprodukte. Der Sternekoch Andreas Schweiger entdeckte schon als Bub Töpfe und Pfannen für sich.

Seiner Mama schaute er mittags beim Hantieren in der Küche zu, vor allem ihre Dampfnudeln seien legendär. Das bekennt der gebürtige Karlsruher im zweiten Buch der Fernsehköche „Die Kochprofis – Unsere Kochschule 2: Das große 1x1 des Kochens“ (donnerstags, 20.15 Uhr auf RTL2). Wir sprachen mit dem 38-Jährigen darüber, warum es darin ein Rezept für Fruchtriegel gibt, über die Speisekarte seines Restaurants „Schweiger²“ in München und die negativen Auswirkungen von Glutamat.

-Sie sind neun Tage im Monat mit den Kochprofis unterwegs. Verstehen Sie den Hype um TV-Köche?

Ich finde ihn gut, weil sich dadurch die Leute mehr mit Ernährung beschäftigen. Sie gehen bewusster essen und kaufen bewusster ein. Bei den Lehrlingen merke ich aber keinen Unterschied. Der Beruf ist hart, und man muss sich vorher fragen, ob man gerne zehn bis zwölf Stunden am Tag und am Wochenende bis spätabends arbeiten will.

-Mit den TV-Kollegen haben Sie ihr zweites Kochbuch herausgebracht. Arbeiten Sie privat auch mit festen Rezepten oder frei?

Wenn ein Kollege sagt, er erfindet das Kochen neu, finde ich das schwierig. Ich habe unvorstellbar viele Rezepte, und spiele mit ihnen. Wenn ich aber ein solches an einen Laien gebe, weiß ich, nicht jeder kann das. Man braucht dafür Erfahrung. Deswegen gibt’s auch Kochbücher für Anfänger, erfahrene Hausfrauen…

-Und das neueste der Kochprofis ist für Leute mit wenig Erfahrung?

Das war das erste, jetzt kommt die Weiterführung. Wobei ich sage, je einfacher das Gericht, desto mehr Mühe sollte man sich damit geben.

-Im Buch bieten Sie ein Leberrezept an. Scheuen viele davor zurück?

Ich arbeite im Restaurant und in der Kochschule auch mit Nieren, Leber und Herz. Warum nicht? Das hat immer etwas mit der Qualität zu tun. Wenn ich ein ganzes Tier bekomme, verarbeite ich es zu 95 Prozent, inklusive Innereien. Aus dem Rest mache ich Suppe. Das hat mit dem Respekt vor den Lebensmitteln zu tun, ich schmeiße nicht gerne weg.

-Aber das ist doch für die „normale“ Hausfrau schwer zu realisieren...

Nur weil ich einen Stern habe, heißt das nicht, dass ich kein normaler Koch bin. Ich beschäftige mich nur mehr mit den Lebensmitteln, und auch das kann jeder. Privat ernähre ich mich meist vegetarisch, weil ich Fisch und Fleisch aus den Supermärkten nicht essen möchte. Ich verwende nur Tiere, wenn ich weiß, woher sie kommen. Natürlich bin ich als Koch extremer als eine Hausfrau, aber es fängt im Kleinen an: zum Beispiel lieber beim Metzger des Vertrauens kaufen, als abgepacktes Fleisch.

-Sie bieten auch ein Rezept für Fruchtriegel als Dessert an. Hat das etwas damit zu tun?

Ich habe ein Problem mit Industrieprodukten. So kann man auf künstliche Zitronensäure, Farbstoffe und Emulgatoren verzichten.

-Greifen Sie privat nie auf Fertigpizza zurück?

Ich habe zu Hause keine Mikrowelle, verwende keine Brühe und esse keine Gummibärchen. Nicht einmal Kaugummi mit künstlichem Zuckeraustauschstoffen kaufe ich mir. Ich koche auch nur frisch. Was ich auch nach Außen trage, lebe ich.

-In der TV-Show müssen Sie oft in Küchen helfen, in denen viele Fertigprodukte verwendet werden. Ärgert Sie das?

Sehr, und noch mehr, wenn diese Köche das als „frisch gemacht“ verkaufen. Das liegt nicht nur an meiner Kochehre, sondern ich bin auch davon überzeugt, dass Glutamat und Farbstoffe gesundheitsschädlich sind.

-Können Sie das näher erklären?

Dazu habe ich viele Bücher gelesen und man sagt, Multiple Sklerose, Alzheimer und Parkinson tritt verstärkt davon auf. Daher bin ich da schon sehr extrem – ich schaue darauf, was ich zu mir nehme und für andere koche. Ich möchte das, was ich erkläre und „verkaufe“, auch wirklich leben.

Das Gespräch führte

Angelika Mayr.

Ralf Frenzel:

„Die Kochprofis – Unsere Kochschule 2: Das große 1x1 des Kochens“. Tre Torri Verlag, 160 Seiten; 19,90 Euro.

Zum zehnjährigen Bestehen der TV-Serie rufen Tre Torri und RTL2 zum Rezeptwettbewerb auf: Bis 16. Mai können Rezepte auf www.RTL2.de eingereicht werden. Alle werden von den vier Kochprofis und einer Fachjury nachgekocht und bewertet. Die besten Ideen werden in einem Kapitel mit Erwähnung des Absenders in der Jubiläumsausgabe „Die Kochprofis 3 – Das Jubiläums-Kochbuch. Die 100 besten Rezepte“ ab dem 22. September veröffentlicht.

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